Die Tibetologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Studium der Sprachen und der geistigen und materiellen Kultur Tibets beschäftigt.
Das Studium der Tibetologie kann Philologie, Literatur- und Sprachgeschichte, Philosophie- und Religionsgeschichte, Geschichte und Kunstgeschichte, die Gesellschaft Tibets und Buddhismuskunde beinhalten.
Forschungsschwerpunkt der tibetologischen Fakultäten ist häufig der tibetische Buddhismus und das Studium geht einher mit dem Erlernen des klassischen Tibetisch sowie der tibetischen Umgangssprache. Häufig ist die Tibetologie verbunden mit der Indologie.
Als Begründer der Tibetologie gilt der ungarische Orientalist Alexander Csoma. Die ersten Lehrstühle für Tibetologie wurden in Deutschland in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts eingerichtet, als Folge dessen, dass aufgrund der politischen Umstände viele tibetische Gelehrte in den Westen kamen, obwohl die wissenschaftliche Beschäftigung mit Tibet bereits auf eine längere Tradition zurückblicken kann. Tibetologische Fachbereiche in Deutschland gibt es z.B. am Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg, an der Universität Leipzig, an der Universität München und an der Universität Bonn.
Auch in China hat sich bis zum Anfang des 21.Jahrhunderts eine umfassende tibetologische Forschung entwickelt.
Seit wenigen Jahrzehnten hat sich die Tibetologie insbesondere in angelsächsischen Ländern anderen Fachdisziplinen geöffnet, was sich in den interdisziplinär angelegten, im Abstand von drei Jahren abgehaltenen Tagungen der International Association of Tibetan Studies (IATS) besonders deutlich zeigt. So kann beispielsweise der US-amerikanische Ethnologe und Tibet-Wissenschaftler Melvyn Goldstein mit seinen Forschungen und Veröffentlichungen zu lexikalischen Fragen, über tibetische Nomaden und die moderne Geschichte Tibets als Vertreter dieser perspektivisch sehr weit angelegten Tibetwissenschaften gelten.