Das Israelitische Asyl in Heilbronn-Sontheim war ein jüdisches Altersheim, in dem sich jeweils auch ein Betsaal befand. Das Asyl war von 1907 bis 1940 im Gebäude der Wilhelmsruhe in der Hermann-Wolff-Straße 11, ab 1942 im Haus des Dr. Julius Picard an der Lauffener Str. 12.
Inhaltsverzeichnis
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Am 11. April 1895 entschloss sich der Israelitischer Männerverein für Krankenpflege und Leichenbestattung nicht ein Krankenhaus, wie es die Vereinssatzung forderte, sondern ein Israelitisches Asyl für alleinstehende Männer und Frauen zu bauen.
Julius Spiegelthal formierte eine Kommission und sammelte Spenden im In- und Ausland. Am 25. April 1897 erfolgte die Gründung eines Israelitischen Landes-Asyl- und Unterstützungsvereins, wobei Spenden für das Israelitische Asyl gesammelt werden sollten. 1902 wurde das Baugrundstück für das Israelitische Asyl erworben.
Das jüdische Altersheim Wilhelmsruhe im Heilbronner Ortsteil Sontheim wurde 1907 von den Architekten Heim und Früh im Stil des Neobarock erbaut und 1936?1937 von den Architekten Oskar Bloch und Ernst Guggenheimer erweitert. Das Gebäude befindet sich in der Hermann-Wolff-Straße 11 und beherbergt heute die Alice-Salomon-Schule.
Das Äußere des Gebäudes mit einer Höhe von dreieinhalb Geschossen, spricht ganz die Formensprache des Neobarock. In der Mitte des Gebäudes springt ein Mittelrisalit hervor, der ein hohen gebogenen Segmentgiebel aufweist. Im Hintergrund des hohen barock geschwungenen Giebels ist ein Mansardwalmdach zu sehen.Im Jahre 1932 baute man die offenen Veranden auf der Rückseite zu Zimmern um, so dass sich die Zahl der Bewohner von 32 auf 48 erhöhte. Das Jahr 1936-37 sah einen abermaligen Erweiterungsbau, der 30 neue Einzelzimmer einbrachte. Der Erweiterungsbau wurde von den Stuttgarter Oskar Bloch und Ernst Guggenheimer ausgeführt.
Der mit einem lichten Souterrain viergeschossig aufgeführte Bau steht auf einer Grundfläche von 1160 Ar. Es wies zunächst Raum für 32 Personen auf. Die Wohnräume, 20 Einzelzimmer sowie 6 Doppelzimmer, lagen im 1. und 2. Stock. Die Zimmer lagen an hellen Gängen und besaßen außer einem bequemen Bett mit Federbetten, einen Schrank, einen Tisch, zwei Stühle, einen Nachttisch, einen bequemen Korbstuhl und einen Schemel. Im Gang besaß jeder Insasse eine zweiten Schrank. Gemeinschaftsräume waren das Lesezimmer, der Speiseraum und der mit einem Glasfenster versehene jüdische Betsaal.
Der Betsaal des Israelitischen Asyls befand sich im Gebäude der Wilhelmsruhe, das als jüdisches Altersheim 1907 von den Architekten Heim und Früh im Stil des Neobarock erbaut und später erweitert wurde. Der Bau des ersten Betsaals erfolgte in dem Bau des "Israelitschen Asyl" bzw. jüdischen Altersheim von 1907. Der zweite und größere Betsaal wurde seitens den Architekten Oskar Bloch (gest. 6. Januar 1937) und Regierungsbaumeister Ernst Guggenheim innerhalb des 1937 erfolgten und erweiterten Komplexes gebaut. Das Gebäude wurde durch den Architekten Oskar Bloch begonnen, und nachdem Bloch 1937 verstorben war, durch Regierungsbaumeister Ernst Guggenheim fortgeführt, wobei der erste Betsaal von 1907 dabei aufging. Der lokale Bauleiter war dabei Alt-Oberbürgermeister Prof. Emil Beutinger[1], der auch verschiedene andere jüdische Bauten geleitet hatte, wie das Haus Heinrich Grünwalds [2] oder das Warenhaus der jüd. Gebrüder Landauer.
Der neue Betsaal des Israelitischen Asyls war im Baustil des Neues Bauen bzw. Internationaler Stil als architektonische Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit gebaut worden.
Durch die Halle des Neubaus des Israelitischen Asyls gelangte man in den Betsaal.
Der Betsaal soll ein "ein besonderer Glanzpunkt des Neubaus" [3] gewesen sein. Der Betsaal konnte bei den hohen Festtagen, wenn auch die Angehörigen der Bewohner eintrafen auch vergrößert werden, indem man eine Schiebetüre aus Glas, die die Halle des Neubaus von den Betsaal trennte, einfach beiseite schob. Dadurch wurde ein großer Betraum für alle Anwesenden erreicht. Der Aron ha'kodesch (hebr.: ???? ?????, dt.: ?Heilige Lade? ), war in "hellen warmen Holztönen" gehalten und bewahrte Thorarollen für die Verlesung der jeweiligen Parascha (hebr.: ????, dt.:?Wochenabschnitte?). Mehrere Thorarollen des "Israelitischen Asyl" waren vom "Israelitschen Landes-Asyl- und Unterstützungsvereins" gespendet worden. Besondere Stifter waren hierbei auch Sulzbacher, David Stern, Strauss, Tänzer und Grailsamer.Die heilige Tora (hebr.: ????) wurde aus dem Schrein ausgehoben und auf den Almemortisch zum Vorlesen der Thora gelegt.
Hier lag die Schönheit insbesondere in der edlen Ausstattung und der fein bearbeiteten Glastüren und mattgehaltenen Glasfenstern, die per Diamantschliff eine hebräische Inschrift: "Preise meine Seele den Ewigen, und vergiss nicht alle seine Wohltaten" [4] trugen.
1938 lebten etwa 100 Personen in diesem Heim, das bei der Pogromnacht 1938 Ziel von Sachbeschädigungen war. In der Zeit nach den Novemberpogromen wurde der Gottesdienst im Landesasyl durch die Insassen des Heims abgehalten. Hier werden die Namen Sulzbacher, David Stern, Strauss, Tänzer und Grailsamer erwähnt. Nach Beginn des Krieges im September 1939 wurde das Landesasyl Ziel jüdischer Flüchtlinge aus der Pfalz, Saargebiet und aus Baden, so dass bis zu 140 Personen dort einquartiert waren. Ab November 1940 wurden die Asylbewohner deportiert oder umgesiedelt. In der Zeit nach den Novemberpogromen wurde der Gottesdienst im Landesasyl durch die Insassen des Heims abgehalten. Hier werden die Namen Sulzbacher, David Stern, Strauss, Tänzer und Grailsamer erwähnt.
Im November 1938 fanden im "Israelitischen Asyl" Menschen aus Heilbronn, im September 1939 aus der Pfalz, Saargebiet und aus Baden hier Zuflucht. So waren es 150 Menschen jüd. Glaubens, die im "Israelitschen Asyl" ein Refugium fanden.
Vom 15. bis zum 17. November 1940 wurde das "Israelitische Asyl" in das Haus des Dr. Picard an der Lauffener Straße 12 in Sontheim verlegt, der selbst das Haus 1940 aufgeben musste. 8. April bis 5. Mai 1942 Deportation nach Izbica mit 16 Personen. Nur das Haus des Dr. Picard stand als "Israelitisches Asyl" den Betroffenen zur Verfügung. Von 39 sank mit der Deportation die Zahl auf 23 Betroffenen die noch Im israelit. Asyl Zuflucht fanden.
Dr. med. Ludwig Essinger (1881?1942), Böckinger Bürger jüdischen Glaubens, der 1938 aus der Ärztekammer des Gaues Württemberg-Hohenzollern ausgeschlossen worden war und seitdem nur noch als Krankenbehandler galt, hat vom 7. Januar 1942 bis zu seinem Freitod am 25. April die Bewohner des Sontheimer israelitischen Asyls medizinisch betreut.
Krankenschwester Paula Adelsheimer kam von Stuttgart nach Sontheim. Am 20. August 1942 wurden die letzten 22 Bewohner des israelitischen Asyl von Sontheim in das KZ Theresienstadt gebracht [5][6]
| Schicksal der Bewohner des Israelitischen Asyl (Sontheim) | ||||||
| Standorte: Israelitisches Asyl(Sontheim) | Jahr | im KZ ermordet | unterwegs verstorben | in der Heilanstalt verstorben | Überlebende des KZ | Ort: Gesamtanzahl der Opfer des "Israelitischen Asyl" (Sontheim) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Wilhelmsruhe (Sontheim) | ... | ... | ... | ... | ||
| Wilhelmsruche | ... | Theresienstadt: 18 | ||||
| Wilhelmsruhe | ... | Maly Trostinec: 4 | ||||
| Wilhelmsruhe | ... | Auschwitz-Birkenau : 2 | ||||
| Wilhemsruhe | ... | Riga mit Twarniki und Salaspils : 1 | ... | ... | ... | |
| Wilhemsruhe | ... | ... | ... | ... | ... | KZ: 27 |
| Wilhelmsuhe | ... | ... | ... | Weinsberg : 4 | ||
| Wilhelmsruhe | ... | ... | unterwegs 6 | |||
| Wilhemsruhe | ... | ... | ... | ... | Heilanstalten/unterwegs: 10 | |
| Wilhemsruhe | ... | ... | ... | ... | KZ/Heilanstalten und unterwegs: 36 | |
| Wilhelmsruhe | ... | ... | ... | ... | Einzige Überlebende des KZ:
Heimleiterin Johanna Gottschalk |
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| Haus des Dr. Picard, Lauffener Str. 12 (Sontheim) | ... | Theresienstadt: 22 | ||||
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Picard |
Picard |
49.1151759.192563Koordinaten: 49° 6? 54,63? N, 9° 11? 33,23? O