Otto Wöhler (*12. Juli 1894 in Burgwedel; ? 5. Februar 1987 ebenda) war ein deutscher General der Infanterie, der im Zweiten Weltkrieg in verschiedenen Positionen Generalstabsoffizier und zuletzt Oberbefehlshaber der 8. Armee und dann der Heeresgruppe Süd war.
Inhaltsverzeichnis
|
Wöhler stammt aus einer in Burgwedel alteingesessenen niedersächsischen Bauernfamilie, die schon im 19.Jahrhundert Gemeindevorsteher stellte (So sein Vater Heinrich (1868-1953), der von 1908 bis 1935 Gemeindevorsteher war. Seine Mutter starb 1895. Wöhler wohnte später in der nach seinem Vater benannten Straße in Großburgwedel, wo heute ein Museum ist). Er wählte eine Laufbahn als Berufssoldat, nahm als Leutnant (20. Mai 1914, Patent von 1912 ?ohne Protektion?) am Ersten Weltkrieg teil (Eisernes Kreuz II. und I. Klasse, Hausorden von Coburg und Waldeck, Ritterkreuz des Königlichen Hausordens der Hohenzollern mit Schwertern), wo er zuletzt ein Bataillon in seinem Infanterie-Regiment Nr.167 an der Front kommandierte und dreimal verwundet wurde.
Wöhler blieb nach Ende des Krieges 1919 als Regimentsadjutant in der Reichswehr, wo er 1923 zum Oberleutnant und 1924 zum Hauptmann befördert wurde und 1926 den Generalstabslehrgang absolvierte. 1932 war er Major, 1935 Oberstleutnant und 1938 Oberst im Generalstab der Wehrmachtsakademie Berlin.
Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs war Wöhler erster Generalstabsoffizier (?Ia?) der 14. Armee (Generalfeldmarschall Ewald von Kleist) im Polenfeldzug und 1940 Generalstabschef des XVII. Armeekorps (Wien) im Frankreichfeldzug. Vom 1. Oktober 1940 bis 1942 war er Generalstabschef der 11. Armee, wo er ab September 1941 unter dem Oberbefehl von Erich von Manstein diente (ab Januar 1942 im Rang eines Generalmajors, später im Jahr zum Generalleutnant befördert, 1943 erhielt er für seine Rolle bei der Eroberung der Krim 1941 den Krimschild)[1], und danach ab April 1942 der Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Günther von Kluge. 1943 war er Kommandeur des I. Armeekorps der Heeresgruppe Nord, ab Juni 1943 im Rang eines Generals der Infanterie. Für seine Rolle beim vergeblichen Versuch des Entsatzes der eingeschlossenen Festung Welikije Luki im Januar 1943 erhielt er im August 1943 das Ritterkreuz. Am 22. August 1943 übernahm er den Oberbefehl über die neu aufgestellte 8. Armee, der ehemaligen Armeegruppe Kempf, die dafür allerdings nicht verstärkt wurde. Kempf war abgelöst worden, weil er es für unmöglich hielt Charkow zu halten, und auch Wöhler gab Charkow schließlich auf. Wöhler führte die Armeegruppe in Rückzugsgefechten schrittweise vom Dnepr bis nach Rumänien. Sein Stabschef war dabei zeitweise der spätere NATO-General Hans Speidel. In den Kesselschlachten der Operation Jassy-Kischinew August 1944 in Moldawien konnte er nur einen Teil der 8. Armee nach Ungarn retten, wo er am 28. Dezember den Oberbefehl über die Heeresgruppe Süd übernahm, den er fast bis Kriegsende behielt (am 7. April 1945 wurde er in die ?Führerreserve? versetzt). Am 28. November 1944 erhielt er das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen für seine Beteiligung an den Abwehrschlachten bei Debrecen, nachdem er schon im selben Jahr den rumänischen Orden Michael der Tapfere erhalten hatte. Hitler lehnte eine Beförderung zum Generaloberst ab mit der Begründung er wäre zwar ein guter General, aber ein schlechter Nationalsozialist.[2]
Nach dem Krieg wurde Wöhler wie später sein ehemaliger Chef Manstein vor ein alliiertes Gericht gestellt wegen der Einsatzgruppenaktivitäten während seiner Zeit als Generalstabschef der 11.Armee (unter Ritter von Schober und, nachdem dieser gefallen war, Manstein), obwohl er die Spielräume der SD-Einsatzgruppe D unter Otto Ohlendorf 1941 im Gegensatz zu den Verhältnissen beispielsweise bei der Heeresgruppe Mitte stark einzuschränken versuchte und diese auch zur Partisanenbekämpfung einsetzte.[3] Manstein deutet das in seinen Memoiren an: Wöhler hätte mit einem hohen SS-Offizier, einem Schützling von Himmler, ?gehörig deutsch geredet?[4]. Im Prozess in Nürnberg, in dem Ohlendorf als Zeuge der Verteidigung aussagte, wirkte sich seine Einflussnahme allerdings negativ aus, da sie bewies, dass er von den von den Einsatzgruppen durchgeführten Erschießungen wusste[5]. Wöhler verbot Wehrmachtsangehörigen auch ausdrücklich Fotos von diesen Erschießungen anzufertigen und Wehrmachtseinheiten, sich daran zu beteiligen[6]. Ausschlaggebend für die Verurteilung in Nürnberg war aber nicht die Frage, wieviel Wöhler wußte, sondern ein Befehl Wöhlers, der den Einsatzgruppen unmittelbar ein Operationsgebiet zuwies und der seiner Befehlsgewalt zugeordnet wurde (und nicht der seines Vorgesetzten Manstein)[7]. Wöhler wurde in Nürnberg 1948 (?OKW-Prozess?) zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, kam aber schon Januar 1951 wieder frei.
Wöhler war in Burgwedel über lange Jahre im Rat vertreten, war Vorsitzender des Forstverbandes Fuhrberg, im Verwaltungsrat der Pestalozzi-Stiftung und als Schirmherr vieler Vereine aktiv. Er liegt in Burgwedel neben seinem einzigen Sohn Gert begraben, der als Seekadett mit seinem Schiff 1944 im finnischen Meerbusen unterging. Er war zweimal verheiratet. Nach seinem Tod hinterließ er einen Teil seines Vermögens einer nach ihm benannten sozialen Stiftung, die aus den Vermögenserträgen u. a. Bedürftige unterstützt. Auch der schriftliche Nachlass inklusive einer Autobiografie Wöhlers befindet sich im Besitz der Stiftung.
| Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) versehen. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung. |
| PND: Datensatz zu Otto Wöhler bei der DNB |
| Keine Treffer im DNB-OPAC, 05. Januar 2008 |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wöhler, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher General |
| GEBURTSDATUM | 12. Juli 1894 |
| GEBURTSORT | Burgwedel |
| STERBEDATUM | 5. Februar 1987 |
| STERBEORT | Burgwedel |