| Kleinkastell Hillscheid | |
|---|---|
| ORL | NN |
| Limesabschnitt | Obergermanischer Limes, Strecke 1 (Rhein-Lahn) |
| Typ | Kleinkastell |
| Einheit | unbekannte Vexillation |
| Größe | a) 0,16 ha b) 0,025 ha |
| Bauweise | Steinkastell |
| Erhaltungszustand | Teilrekonstruktion |
| Ort | Hillscheid/Höhr-Grenzhausen |
| Geographische Lage | 50°24'39" N, 7°42'34.50" O |
| Höhe | 420 m ü. NN |
| Vorhergehend | Kleinkastell Ferbach (nordwestlich) |
| Anschließend | ORL 3: Kastell Arzbach (südöstlich) |
| Siehe auch |
Liste der Limeskastelle |
Das Kleinkastell Hillscheid ist ein ehemaliges römisches Kastell des Obergermanischen Limes, der im Jahre 2005 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes erlangte. Das in seinen Grundmauern teilkonservierte und -rekonstruierte Bodendenkmal befindet sich in den Wäldern nordöstlich der heutigen Ortsgemeinde Hillscheid, die zum rheinland-pfälzischen Westerwaldkreis gehört.
Inhaltsverzeichnis
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Die kleine Fortifikation liegt einen guten Kilometer Luftlinie von Hillscheid entfernt im Hillscheider Wald, auf der Hochterrasse eines sich nach Südwesten hin erstreckenden Ausläufers der Montabaurer Höhe.
In römischer Zeit befand es sich hier etwa 22 Meter hinter dem Limeswall an einer Stelle, an der sich zwei aus der Rheinebene zu den Höhenzügen des Westerwaldes aufsteigende alte Wege vereinigten und den Limes kreuzten. Einer dieser Wege kam aus südwestlicher Richtung, von der nächsten größeren Garnison, dem Kastell Niederberg, der zweite führte aus dem Raum Vallendar heran.
Noch 1833 stellte der Limes- und Römerstraßenforscher Friedrich Wilhelm Schmidt wohlerhaltene Wälle und Gräben sowie eine nicht unbeträchtliche Höhe aufgehenden Mauerwerks der Wehranlage im Hillscheider Wald fest. Bereits 1857 musste Carl August von Cohausen konstatieren, dass nur noch geringe Bestandteile der Anlage sichtbar waren. Die Steine des Mauerwerks waren zwischenzeitlich zum Zwecke des Wegebaus ausgebrochen und das Gelände weitgehend planiert worden. In der Folgezeit vollendeten Schatzsucher das Werk der Verwüstung, so dass die Reichs-Limes-Kommission bei der Aufnahme ihrer Untersuchungen mit stark gestörten Befunden konfrontiert wurde. Die archäologischen Ausgrabungen der Kommission wurden im Frühjahr 1894 unter der örtlichen Leitung des Streckenkommissars Otto Dahm durchgeführt.
Nach einer über einhundertjährigen Pause erfolgten 1999 erneute Untersuchungen durch die ?Archäologische Denkmalpflege, Amt Koblenz?. Im Frühjahr 2003 schließlich wurden die Grundmauern des Kastells und des benachbarten Wachturms Wp 1/71 von der Gemeinde Hillscheid konserviert und teilrekonstruiert.
Bei dem Kleinkastell von Hillscheid handelt es sich um eine Doppelanlage, die aus einem größeren Außen- und einem kleineren Innenkastell besteht. Der hohe Zerstörungsgrad der Befunde bereitete einer gesicherten Interpretation von Beginn der Untersuchungen an erhebliche Schwierigkeiten. Auch die Befunddokumentation der Reichs-Limes-Kommission ist vor diesem Hintergrund nur mit gewissen Vorbehalten zu betrachten[1].
Die größere Anlage nimmt mit ihren Seitenlängen von 43,10 mal 36,60 Meter eine Fläche von knapp 0,16 Hektar ein, die Mauerstärke betrug durchschnittlich 1,20 Meter. Die an ihren Ecken abgerundete Mauer war nach heutigen Erkenntnissen nicht mit Wehrtürmen besetzt[2]. Auch das einzige, nach Südosten weisende Tor bestand lediglich aus einem einfachen, nur etwa zwei Meter breiten Durchlass. Vor der Mauer befand sich, nach einer 0,35 bis 1,10 Meter[3] breiten Berme ein etwa sechs bis acht Meter[3] breiter Graben mit einer erhaltenen Resttiefe von 70 bis 100 Zentimeter.
Spuren einer Innenbebauung konnten nicht nachgewiesen werden. Möglicherweise waren die Mannschaften in Zelten untergebracht.
Der innerhalb der Grundrisse des größeren Kastells befindliche Wehrbau wurde vermutlich erst zu einem späteren Zeitpunkt errichtet[4]. Er hatte mit seinen Seitenlängen von 15,90 mal 15,40 Meter einen annähernd quadratischen Grundriss und nahm eine Fläche von nur gut 0,025 Hektar ein. Die an ihren Ecken ebenfalls abgerundete Wehrmauer besaß eine Mächtigkeit von 1,20 Meter. Das einzige, etwa 2,50 Meter breite Tor wies nach Nordwesten. Gegen das Außenkastell hin war der kleinere Wehrbau mit einem Graben abgegrenzt. In seiner südlichen Ecke befand sich ein vielleicht zwei- bis dreistöckiger, turmartiger Bau mit einer inneren Nutzfläche von rund 25,5 Quadratmetern. An seine Nordostseite war ein vermutlich nur eingeschossiger Vorraum mit einer Innenfläche von gut 5,5 Quadratmetern gesetzt. Die Mauerstärke beider Bauwerke betrug 100 Zentimeter.
Auf etwa halber Strecke zwischen dem Kastell und dem Limes befand sich der Wachturm Wp 1/71, der wie das Kastell in seinen Grundmauern rekonstruiert wurde.
Über die Besatzung der Hillscheider Garnison ist nichts Genaues bekannt. Vermutlich hat es ich um die Vexillatio (Detachement) einer größeren und nahe gelegenen Auxiliareinheit gehandelt. Als Standort der Stammeinheit kommt das Kastell Niederberg in Frage.
Auf seinem Weg vom Kleinkastell Hillscheid zum nächsten Militärposten, dem Kastell Arzbach ist der Limes nebst seinen Turmstellen im Wesentlichen recht gut erhalten. Teilweise ist er, insbesondere auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, nur noch auf Luftbildern sichtbar, teilweise hat er sich, gerade in den etwas unzugänglicheren, bewaldeten Gebieten, aber auch hervorragend erhalten können. Die Bürger und Vereine der anliegenden Gemeinden Hillscheid und Neuhäusel sind mittels der Aufstellung von Informationstafeln, der Rekonstruktion der Befunde und der Anlage von Wanderwegen sehr bemüht, der Bedeutung der historischen Relikte auf ihrem Boden gerecht zu werden und diese der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Spuren der Limesbauwerke zwischen dem Kleinkastell Hillscheid und dem Kastell Arzbach:
| ORL[5] | Name/Ort | Beschreibung/Zustand |
| Wp 1/68 [6] |
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| Wp 1/69 | ?In der Hillscheider Sandgrube? | Bei den Grabungen 1894 noch dokumentierte, 1902 bereits verschwundene Reste eines quadratischen Steinturms mit einer Seitenlänge von 5,00 m und einer Mauerstärke von 100 cm. |
| Wp 1/70 | Nur vermutete, nicht nachgewiesene Turmstelle. | |
| KK [9] | Kleinkastell Hillscheid | siehe oben |
| Wp 1/71 |
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| Wp 1/72 | Schutthügel[11] eines ehemaligen Steinturms. Die Ruine war zum Zeitpunkt der Freilegung bereits derartig schwer zerstört, dass die seitens der Reichs-Limes-Kommission ermittelten Maße von sieben Metern Seitenlänge bei einer Mauerstärke von 1,40 m nur mit Vorbehalt zu betrachten sind. Die Turmstelle befindet sich in rund 22 Metern Entfernung vom Wall des Limes. Nach einem hölzernen Vorgängerbau wurde nicht gesucht. | |
| Wp 1/73 | Schutthügel[12] eines quadratischen Steinturms von 5,40 m Seitenlänge und 1,20 m Mauerstärke. | |
| Wp 1/73 bis Wp 1/78 | ?Steinrausch? im Eitelborner Wald bei Neuhäusel |
Die Umwehrung der Anlage wie auch einzelne Gebäude in ihrem Inneren wurden durch den Bau des Limes an mehreren Stellen geschnitten. Nach der Entdeckung durch die Reichs-Limes-Kommission wurde die Siedlung selbst Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts - als eine der ersten größeren und vollständigen hallstattzeitlichen Siedlungen überhaupt - durch Wilhelm Soldan erforscht und dokumentiert [13]. Auch ein zur Siedlung gehörendes, kleineres Gräberfeld wurde damals untersucht. |
| Wp 1/74 | Aufgrund der durchschnittlichen Entfernung zwischen den Türmen vermuteter, aber nicht nachgewiesener Wachturm. | |
| Wp 1/75 | ?Am Steinrausch? |
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| Wp 1/76 bis 1/77 | Aufgrund der durchschnittlichen Entfernung zwischen den Türmen vermutete, aber nicht nachgewiesener Wachtürme. | |
| Wp 1/78 | ?Auf dem Haferröder? |
Die ungewöhnliche Größe resultiert vermutlich aus der Wichtigkeit des Turmes, der aus der Limeslinie deutlich nach Nordosten vorgeschoben war. Von der Galerie des sich auf 390 m ü. NN befindenden Turms war eine Aussicht über nahezu den gesamten Limesverlauf zwischen den Wachtürmen Wp 1/71 und Wp 1/84 möglich. Im Inneren des Gebäudes konnten die Pfostenlöcher des hölzernen Vorgängerturms identifiziert werden. |
| Wp 1/79 | ?Rotlöffel? | Zur Zeit der RLK bereits durch Steinraub völlig zerstörter Turm. |
| Wp 1/80 | Spuren[16] einer Steinturmruine. Bei den Untersuchungen von 1894 wurde ein ehemals quadratischer Steinturm mit Seitenlängen von 4,60 m und einer Mauerstärke von 100 cm dokumentiert. | |
| Wp 1/81 | ?Auf dem Mühlberg? | Spuren[17] eines ehemals quadratischen Steinturms mit 5,20 m Seitenlänge und 100 cm mächtigen Mauern. |
| Wp 1/82 | Aufgrund der durchschnittlichen Entfernung zwischen den Türmen vermuteter, aber nicht nachgewiesener Wachturm. | |
| ORL 3 | Kastell Arzbach | siehe Hauptartikel Kastell Arzbach |
Grabungsberichte der Reichs-Limeskommission: