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Antonie Brentano



Antonie Brentano, Porträt von Joseph Karl Stieler, 1808
Antonie Brentano, Porträt von Joseph Karl Stieler, 1808

Antonie Brentano (* 28. Mai 1780 in Wien; ? 12. Mai 1869 in Frankfurt am Main; geborene Johanna Antonia Josepha Edle von Birkenstock, genannt Toni) war vermutlich die legendäre ?Unsterbliche Geliebte?, an die Ludwig van Beethoven im Sommer 1812 seinen berühmten dreiteiligen Liebesbrief richtete.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Leben
  • 2 Beethovens ?Unsterbliche Geliebte??
  • 3 Widmungen Beethovens für Antonie Brentano
  • 4 Literatur
  • 5 Weblinks

[Bearbeiten] Leben

Antonie war die Tochter des österreichischen Diplomaten, Beamten und Kunstsammlers Johann Melchior Edler von Birkenstock (1738?1809) und dessen Frau Josefa von Hay (* 1755 in Fulnek/Böhmen; ? 18. Mai 1788 in Wien). Sie hatte drei Geschwister, von denen die beiden letzteren früh verstarben:

Der Vater war kaiserlicher Hofrat und Vertrauter der Kaiserin Maria Theresia und des Reformkaisers Joseph II. Er wurde durch seine Heirat Schwager von Joseph von Sonnenfels, bekannt als Widmungsempfänger von Beethovens Klaviersonate D-Dur op. 28 (1802). Beider Ehefrauen waren Schwestern des berühmten Reformbischofs von Königgrätz Jan Leopold Ritter von Hay (1735-1794). Birkenstock lebte mit seiner Familie ab 1782 längere Zeit in Frankfurt am Main, wo seine Frau die beiden Kinder Karoline und Johann zur Welt brachte. Möglicherweise lernte er bereits damals die Familie Brentano kennen. In Wien baute er sich eine heute nicht mehr vorhandene palastartige Villa mit 40 Zimmern in der Vorstadt Landstraße, Erdberggasse Nr. 98 (heutige Lage Erdbergstraße 19), die er mit einer umfangreichen, wertvollen Bibliothek und einer reichen Kunstsammlung ausstattete. Als Achtjährige verlor Antonie durch eine Epidemie ihre Mutter und wurde daraufhin für sieben Jahre in die Ursulinen Klosterschule von Preßburg geschickt. Der Vater suchte dann für seine Tochter nach einer sogenannten guten Partie und fand sie in der Person des reichen Frankfurter Kaufmanns Franz Brentano, dem Halbbruder der Geschwister Clemens Brentano und Bettina von Arnim. Bei der Vermittlung der Ehe soll die früh verstorbene Sophie Brentano eine wichtige Rolle gespielt haben, die damals in Wien lebte. Die Heirat der 18-jährigen Antonie mit dem 33-jährigen Brentano fand am 23. Juli 1798 im Stephansdom in Wien statt. Einige Tage darauf zog das Ehepaar nach Frankfurt. Antonie gebar sechs Kinder:

Im August 1809 kam Antonie wieder nach Wien, um ihren kranken Vater zu pflegen, der am 30. Oktober desselben Jahres starb. Nach seinem Tod blieb sie noch drei Jahre in ihrer Heimatstadt, wobei ihr Mann sie nur selten besuchte. Antonie war als Alleinerbin damit betraut, die umfangreiche Bibliothek ihres Vaters (7.012 Bücher und Musikalien) und seine Kunstsammlung (551 Gemälde, 261 Zeichnungen sowie Tausende von Kupferstichen, Miniaturen, Bronzestatuen, Skulpturen usw.) zu katalogisieren und zu verkaufen. Einen Teil der Werte verbrachte sie vorab nach Frankfurt, einen anderen erwarb Herzog Albert von Sachsen-Teschen für die heutige Albertina in Wien. Erst 1832 verkaufte Antonie die nun leere Villa an einen Apotheker namens Josef Gerold und dessen Frau Wilhelmine Edle von Petz. Das verschwundene Palais nennt man in der Stadtgeschichte immer noch Birkenstock- oder Brentanohaus. Das wertvollste Bild aus ihrer Gemäldesammlung war Die Beweinung Christi des flämischen Malers Anthonis van Dyck aus dem Jahre 1627, das Antonie 1852 dem Frankfurter Dom vermachte.

In ihren fast neunzig Jahren überlebte Antonie Brentano viele Freunde und Verwandte, darunter ihren Mann und fünf ihrer sechs Kinder. Als sie vom Tod Ludwig van Beethovens erfuhr, begann sie, die Namen ihrer verstorbenen Freunde in eine Liste zu schreiben, die am Ende ihres eigenen Lebens mehrere Seiten umfasste. Der erste Eintrag lautete: ?Beethoven, 26. März 1827?.

[Bearbeiten] Beethovens ?Unsterbliche Geliebte??

Das Birkenstock-Brentano-Haus in Wien, Erdberggasse Nr. 98, Foto, um 1900. In dem achteckigen, holzverschalten Turm befand sich eine kleine Sternwarte
Das Birkenstock-Brentano-Haus in Wien, Erdberggasse Nr. 98, Foto, um 1900. In dem achteckigen, holzverschalten Turm befand sich eine kleine Sternwarte

Beethoven lernte Antonie Brentano Ende Mai 1810 durch ihre Schwägerin Bettina von Arnim kennen. Zwischen beiden entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, in ihrem Tagebuch spricht Antonie sogar von einer ?Wahlverwandtschaft?. Am 11. März 1811 schrieb sie Bettina, Beethoven sei ihr ?einer der liebsten Menschen? geworden und besuche sie ?beinahe täglich?. Demselben Brief ist zu entnehmen, dass sie ihren Gatten schon sechs Monate nicht gesehen hatte. Im Jahr darauf ließ sie sich von Beethoven das Originalmanuskript seines Liedes An die Geliebte (WoO 140) schenken, das er im Dezember 1811 komponiert hatte. Sie vermerkte darauf: ?den 2n März 1812 mir vom Author erbethen?. Dies gilt als wichtiges Indiz dafür, dass Antonie inzwischen tatsächlich Beethovens Geliebte war.

1972 stellte Maynard Solomon erstmals die Hypothese auf, Antonie Brentano sei auch die Adressatin des berühmten Briefs an die ?Unsterbliche Geliebte?, den Beethoven am 6./7. Juli 1812 in Teplitz an eine Unbekannte richtete, die sich zu dieser Zeit in ?K.? aufhielt. Wie bereits der Beethoven-Forscher Max Unger nachweisen konnte, ist damit Karlsbad gemeint. Aus dem Brief geht noch hervor, dass Beethoven die rätselhafte Frau kurz zuvor, am Abend des 3. Juli, überraschend in Prag getroffen hatte. Solomon konnte belegen, dass Antonie tatsächlich am 3. Juli ? aus Wien kommend ? in Prag eintraf, wo sie im Hotel Rotes Haus in der Jesuitengasse Nr. 147 (heute Karlova ulice 44) abstieg, um am anderen Morgen nach Karlsbad weiterzureisen. Solomons Überlegungen bauten auf früheren Arbeiten von George Marek und Harry Goldschmidt auf. Seine Hypothese wurde in der Folge von zahlreichen Beethoven-Forschern geteilt und konnte durch weitere Quellenfunde gestützt werden. Zu nennen sind die Arbeiten von Klaus Martin Kopitz (2001) und Yayoi Aoki (2008). Die englische Autorin Susan Lund vertritt darüber hinaus die Auffassung, der im Mai/Juni 1812 gezeugte Karl Joseph Brentano sei Beethovens Sohn.

Ende Juli reiste Beethoven von Teplitz zu den Brentanos nach Karlsbad, wo er in derselben Pension Zum Auge Gottes (später Grandhotel Pupp) ein Zimmer bezog. Anschließend reiste er mit ihnen gemeinsam nach Franzensbad, wo er und die Brentanos ebenfalls im selben Hotel wohnten. Danach scheinen sie sich für immer getrennt zu haben. Im November kehrte Antonie mit ihrer Familie nach Frankfurt zurück. Beide verband in den Jahren darauf eine intensive Korrespondenz. 1819 setzte sich Antonie sogar für die Erziehung von Beethovens Neffen bei dem berühmten Theologen und Pädagogen Johann Michael Sailer ein, mit dem die Brentanos eng befreundet waren. Im Auftrag von Antonie Brentano entstand 1820 das bekannte Beethoven-Porträt von Joseph Karl Stieler. Unsterblich wurde sie gewissermaßen auch als Widmungsempfängerin mehrerer großer Werke des Komponisten.

Als Argument gegen Solomons These wird vorgebracht, dass Beethoven in späteren Jahren auch mit Antonies Ehemann befreundet war, der ihm vielfach finanzielle Unterstützung zukommen ließ, und dass er zudem ein erklärter Gegner außerehelicher Untreue war.

Der Brief wurde nach Beethovens Tod in einem Geheimfach gefunden, wurde also entweder nie abgesandt oder ihm von der Empfängerin zurückgegeben.

Weitere Kandidatinnen für die ?Unsterbliche Geliebte? sind bzw. waren: Therese von Brunswick (1775?1861), Josephine von Deym (1779?1829), Gräfin Marie Erd?dy (1779?1837) und andere.

[Bearbeiten] Widmungen Beethovens für Antonie Brentano

Bereits im Oktober 1811 notierte Beethoven auf einem gedruckten Exemplar seiner Goethe-Lieder op. 83: ?Meiner vortrefflichen Freundin der Frau Toni Brentano Gebohrene edle von Birkenstock vom Verfasser.? Eine ähnliche Aufschrift findet sich im selben Monat auf einem Exemplar des Klavierauszugs des Oratoriums Christus am Ölberge op. 85. Später widmete der Komponist seiner Freundin ?offiziell? zwei seiner bedeutendsten Werke: die letzte Klaviersonate c-Moll op. 111 (1822) und die Diabelli-Variationen op. 120 (1823). Darüber hinaus schrieb er für ihre Tochter Maximiliane das Klaviertrio B-Dur WoO 39 (1812) und widmete dieser die Klaviersonate E-Dur op. 109 (1821). Ursprünglich wollte Beethoven sogar alle drei letzten Klaviersonaten (op. 109, 110 und 111) Antonie Brentano widmen. Ihrem Gatten hat er kein Werk zugeeignet.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

Personendaten
Brentano, Antonie
Brentano, Antonie; Brentano, Antonia; Brentano; Johanna Antonia Josepha; Birkenstock, Johanna Antonia Josepha Edle von (Geburtsname); Birkenstock, Toni
möglicherweise Beethovens ?unsterbliche Geliebte?
28. Mai 1780
Wien
12. Mai 1869
Frankfurt am Main





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