Unter Kalisalz wird im allgemeinen eine Mischung aus verschiedenen Salzmineralien mit einem hohen Gehalt an Kaliumverbindungen verstanden. Wirtschaftlich genutzt werden von diesen Salzmineralen lediglich Kaliumchlorid und Magnesiumsulfat.
Wichtige Bestandteile von Kalisalz sind:
Im Gegensatz zum in der Regel farblosen Steinsalz, das fast ausschließlich aus Halit besteht, hat Kalisalz oft eine orange-rote bis hellbraune Farbe, hervorgerufen durch eingelagerte Eisenoxide und -hydroxide. Je nach Hauptbestandteil unterscheidet man zwischen kieseritischem, sylvinitischem und carnallititischem Kalisalz. Die meisten der weltweit abgebauten Lagerstätten weisen einen sylvinitisch oder carnallitisch ausgeprägten Rohstoff auf. Ausgedehnte Kieseritvorkommen gibt es hauptsächlich in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
|
Die größten ausländischen Kalisalzvorkommen finden sich in Russland, der Ukraine und Weißrussland, in Kanada und den USA. Die Vorkommen in Deutschland liegen im Raum Braunschweig-Hannover in Niedersachsen, im Raum Magdeburg-Halle in Sachsen-Anhalt sowie in Südbaden und im Werra-Fulda-Bereich in Hessen und Thüringen.
Kalisalze werden hauptsächlich zu Düngemitteln verarbeitet. Dabei gibt es je nach Wertstoff und Veredelungsverfahren unterschiedliche Qualitäten. Für gewöhnlich hat das in der Landwirtschaft eingesetzte Produkt eine Reinheit von etwa 93 Prozent KCl. Dieses wird als sogenannter 60er Kali als Dünger verwendet; darin ist der Kaliumanteil gleich groß wie in einem 60 Prozent K2O enthaltenden Düngemittel. Das hochreine 99er Kaliumchlorid oder Industriekali findet in der chemischen Industrie und Medizin Verwendung.
Kalisalze werden in Deutschland bisher ausschließlich in untertägigen Bergwerksbetrieben abgebaut. Weltweit gibt es allerdings Versuche, Kalisalze ähnlich dem Steinsalz durch Solung über Bohrlöcher zu gewinnen. Ein derartiger Solungsbergbau findet z.B. in Thüringen in Bleicherode statt.
Die bergmännische Gewinnung kann entweder konventionell durch Bohren und Sprengen oder maschinell mittels Teil- und Vollschnittmaschinen erfolgen.
Da das gewonnene Rohsalz lediglich einen durchschnittlichen Wertstoffgehalt von 20 bis 35 Prozent enthält, ist eine Aufbereitung in übertägigen Fabrikanlagen notwendig. Als Aufbereitungsverfahren kommen die Flotation, das Heißverlösen oder die elektrostatische Trennung in Frage. Je nach Aufbereitungsverfahren wird das Produkt anschließend getrocknet und veredelt, beispielsweise durch Granulierung.
Der Mineralstoff Kalium ist ein Hauptnährelement der Pflanzenernährung und verstärkt bei Pflanzen die Stoffwechselprozesse: Die Photosynthese wird intensiviert, die Umwandlung von Zucker in Stärke und der Aufbau von Eiweiß beschleunigt. Dadurch wird das Wachstum der Pflanzen gefördert.
Das K+-Ion ist das wichtigste Ion im Stoffwechsel der Pflanze zur Erhöhung des osmotischen Druckes und Quellungszustandes. Eine ausreichende Kalidüngung bewirkt eine bessere Anpassung der Pflanze an Trockenheit und Frosthärte. Indirekt wird die Standfestigkeit der Pflanzen erhöht. Kalimangel führt zu "Welketracht", Chlorosen an älteren Blättern sowie Nekrosen vom Blattrand aus (Randnekrose).
Kalisalze entstanden zum Beispiel vor gut 250 Millionen Jahren im sogenannten Zechstein (junges Perm) oder im Tertiär (Oberrheingraben, Becken von Wittelheim, Oberelsass und bei Buggingen in Südbaden). Im Bereich der heutigen Kalilagerstätten befanden sich zu dieser Zeit die Randbereiche früherer Kontinente. Durch tektonische Bewegungen entstanden in diesen Randbereichen wiederholt flache Meerwasserbecken, die durch Barrieren vom übrigen Ozean, dem Zechsteinmeer, abgetrennt wurden. Das trockene und heiße Klima begünstigte eine starke und schnelle Verdunstung, so dass je nach Löslichkeit nacheinander folgende Stoffe auskristallisieren:
Meist wurde die Evaporitfolge aber bereits im Stadium der Gips- oder Steinsalzabscheidung beendet. Die auskristallisierte Salzabfolge wurde dann entweder durch eingewehten Staub (Ton) geschützt, wuchs weiter durch Überdeckung durch bereits stark eingedunstetes Meerwasser oder wurde partiell wieder aufgelöst.
Dieser Prozess wiederholte sich, so dass wir in Europa im Zechstein heute von fünf Salzserien sprechen, auch Zechsteinserien genannt.
Im Laufe der Zeit wurden diese Schichten mehrfach überdeckt (zum Beispiel durch Sandstein). Da Salz unter Druck plastisch reagiert, folgt es dem geringsten Widerstand an Schwächelinien. Dies können z.B. Verwerfungen oder Klüfte sein. So entstanden Salzkissen, -mauern und Salzstöcke. Am Rande dieser Aufstiegssalze wurden mesozoische Gesteinsschichten mit aufgeschleppt und es kommt teilweise zu Aufwölbungen an der Oberfläche. Dies können kleinere Sättel sein, aber auch so bekannte Orte wie der ?Hildesheimer Wald? oder Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland.
| Name | Bundesland | Bergbaurevier | Ort | Beginn | Ende | Anmerkungen
|
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kalisalzbergwerk Buggingen | BaWü | Breisgau | Buggingen | 1923 | 1973 |
|
| Salzbergwerk | BaWü | Bad Friedrichshall | 1994 | wird seitdem verfüllt
|
||
| Salzbergwerk | BaWü | Heilbronn |
|
|||
| Steinsalzbergwerk | BaWü | Haigerloch-Stetten |
|
|||
| Salzbergwerk Berchtesgaden | Bayern | Berchtesgaden | Salzabbau, Salzheilstollen
|
|||
| Salzstöcke | Bremen | keine Bergwerke aber bergrechtlich genehmigte Anlagen: ausgespülte Salzstöcke für die Lagerung von Öl und Gas.
|
||||
| Kaliwerk Werra
Werk Hattorf |
Hessen | Philippsthal | aktiv, seit 1994 Stapelversatz in "big Bags" von Filterstäuben, REA-Produkten und anderen festen Rückstände Müllverbrennungs-, Sonderabfallverbrennungs, Klärschlammverbrennungsanlagen, eingedampfte Deponie-Sickerwasserrückstände
|
|||
| Kaliwerk Werra
Werk Wintershall |
Hessen | Heringen | aktiv, seit 1993 Stapelversatz in "big Bags" von Filterstäuben, REA-Produkten und anderen festen Rückstände Müllverbrennungs-, Sonderabfallverbrennungs,Klärschlammverbrennungsanlagen, eingedampfte Deponie-Sickerwasserrückstände | |||
| Kaliwerk Werra | Thüringen | Werk Unterbreizbach | aktiv, Untertageverwertung von Aschen aus Sondermüllverbrennungsanlagen, Klärschlanmm, Filterstäube, REA-Produkte im Spülversatz | |||
| Herfa-Neurode | Hessen | Landkreis
Hersfeld-Rotenburg |
Untertagedeponie für Giftstoffe seit 1972, 200000 T pro Jahr
|
|||
| Kaliwerk Neuhof-Ellers | Hessen | Landkreis
Fulda |
aktiv | |||
| Kalibergwerk Hercynia | Niedersachsen | Goslar | Vienenburg | ältestes Kalibergwerk außerhalb ursprünglichen Staßfurter Abbaubereichs
|
||
| Kaliwerk Salzdetfurth | Niedersachsen | Bad Salzdetfurth |
|
|||
| Asse I | Niedersachsen | Wolfenbüttel | Remlingen | abgesoffen
|
||
| Asse II | Niedersachsen | Wolfenbüttel | Remlingen | Versuchsendlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle
|
||
| Asse III | Niedersachsen | Wolfenbüttel | Remlingen | abgesoffen
|
||
| Kali- und Steinsalzbergwerk Mariaglück | Niedersachsen | Landkreis Celle | Höfer | 1911 | 1977 | Im II. Weltkrieg U-Verlagerung LÖWE (Bergungsgut aus Bibliotheken und Archiven) sowie Untertage-Produktionsstätte für Flugzeugteile. In den 70er-Jahren in der engeren Auswahl für den Standort eines Atommüllendlagers sowie in den 80er-Jahren als Sondermülldeponie. Heute abgerissen und geflutet. Im August 2008 wurde bekannt, dass u.a. schwach radioaktive Lauge aus Asse II verfüllt wurde. Literatur |
| Kali-Salz-Bergwerk Riedel | Niedersachsen | Uetze | Ortsteil Hänigsen | 1909 | 1993 | weltweit tiefstes Kalibergwerk 1525 m
von 1938-1945 Heeresmunitionsanstalt, Bürger verhinderten Sondermülldeponie, wird derzeit geflutet |
| Bergmannssegen-Hugo | Niedersachsen | Sehnde | Ilten | 1994 | wird derzeit mit Sohle und Süßwasser geflutet | |
| Hohenfels | Niedersachsen | Sehnde | Wehmingen | 1902 | 1927 | Verfüllung durch Flutung mit Haldenlauge Friedrichshall 1984-1992 |
| Friedrichshall | Niedersachsen | Sehnde | Ilten | 1905 | 1994 |
|
| Schacht Hildesia | Niedersachsen | Diekholzen |
|
|||
| Schacht Mathildenhall | Niedersachsen | Diekholzen | ||||
| Kaliwerk Braunschweig-Lüneburg | Niedersachsen | Helmstedt | ||||
| Kaliwerk Rössing-Barnten | Niedersachsen | Giesen | ||||
| Kaliwerk Siegfried-Giesen | Niedersachsen | Giesen | Giesen OT Siegfried-Giesen | 1913 | 1987 | Halde, Gebäude in 2000 abgerissen
|
| Schacht Fürstenhall | Niedersachsen | Ahrbergen | 1913
(1947) |
1922
(1980er) |
ab 1937
Heeresmunitionsanstalt (stillgelegt) |
|
| Kaliwerk Ronnenberg | Niedersachsen | bei Hannover | Ronnenberg | Halde zum großen Teil abgetragen verfüllt im Forschungsbergwerk Asse
|
||
| Kaliwerk Deutschland | Niedersachsen | bei Hannover | Weetzen | 1906
1971 |
1922
1975 |
Aufgrund eines Wassereinbruchs im Baufeld Ronnenberg abgesoffen |
| Kaliwerk Benthe | Niedersachsen | bei Hannover | Benthe |
|
||
| Kaliwerk Hansa | Niedersachsen | bei Hannover | Empelde | 1894 | 1973 | Halde wird mit Bauschutt und Humus renaturiert
|
| Kaliwerk Sigmundshall | Niedersachsen | bei Wunstorf | Bokeloh | 1896 | Abraumhalde bis zu 140 m Höhe genehmigt, weithin sichtbare Landmarke | |
| Kaliwerk Zielitz | Sachsen-Anhalt | Scholle von Calvörde | Zielitz | 1973 | Abraumhalde ("Kalimandscharo"). Weithin sichtbare Landmarke. Seit 1995 auch Untertagedeponie. | |
| Kaliwerk ?Thomas Müntzer? | Thüringen | Bischofferode | 1993 | stillgelegt
|
||
| ?Glückauf? | Thüringen | Sondershausen | Erlebnisbergwerk
|
|||
| Kalibergwerk | Thüringen | Bleicherode |
heute: Versatzbergwerk, Haldenbegrünung, Solungsbergbau |
|||
| Kalibergwerk | Thüringen | Merkers | jetzt Erlebnisbergwerk |