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Otto Alscher



Otto Alscher (1880-1944)

Otto Alscher (* 8. Januar 1880 in Perlasz an der Theiß, Banat, damals Ungarn; ? 29. Dezember 1944 in Târgu Jiu, Rumänien). Wird in der Literaturgeschichte als ?ein deutscher Dichter Ungarns?, ?rumänien-deutscher? und österreichischer Schriftsteller erwähnt.

[Bearbeiten] Leben und Werk

Am 8. Januar 1880 kommt Otto Alscher als ältestes von drei Kindern einer Wanderfotografenfamilie in Perlasz, einer Militär-Grenzgemeinde im südöstlichsten Winkel der k.u.k. Monarchie, zur Welt. 1891 lassen sich die Alschers in Orschowa nieder, einer kleinen Hafenstadt an der Donau und gründen dort das erste Fotoatelier der Gegend. Im Wintersemester 1898-99 und im Sommersemester 1899 besuchen Otto und sein jüngerer Bruder Hugo die ?k. k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproduktionsverfahren?. Mit ihrer Verehrung für Natur, Instinkt und Nietzsche finden die Brüder bald Anschluss zu Kreisen der Wiener Bohème.

Otto ergreift die journalistische und schriftstellerische Laufbahn, Hugo wird Maler. 1904 heiratet Otto die literarisch ambitionierte Kindergärtnerin Leopoldine alias Else Amon und erbaut im Gratzkatal, etwa eine Stunde von Orschowa entfernt, ein Haus für seine zukünftige Familie und eine ?Luderhütte?, ein Arbeitszimmer mit Schießscharte für sich. Reingard (?), Helmut (1907) und Helga (1909) kommen hier zur Welt.

Mit dem zweiten Roman ?Gogan und das Tier? gewinnt der Lebensentwurf in den Karpaten literarischen Bestand, das Buch wird 1912 im S. Fischer-Verlag publiziert und ein Auszug daraus in der Anthologie ?Das 26. Jahr?, einer ?Fortsetzung des Jubiläumsbuches 'Das 25. Jahr?, aufgenommen.

1915 wird Alscher einberufen. Hat er sich zu Beginn des Ersten Weltkrieges als Propagandist hergegeben, so entwickelt er sich nun zum Kriegsgegner. 1916 wird er wegen einer Malariaerkrankung ausgemustert, 1917 erscheint sein erster Band mit Tiergeschichten ?Die Kluft, Rufe von Menschen und Tieren? bei Albert Langen, München. ?Die Kluft? ist hier noch nicht zu überbrücken, die Bindung des Menschen zum Tier und zur Natur zerbricht an Schäden der Zivilisation. Alscher widerlegt Nietzsches These von der ?Benommenheit? des Tieres, denn seine Raubtiergestalten sind wie die Jack Londons in ihrer Wahrnehmung und ihren moralischen Entscheidungen dem Menschen überlegen. Aus diesem Band wählt Hermann Hesse für die mit Richard Woltereck erstellte Anthologie ?Strömungen? die Kurzgeschichte ?Die Hunde? als ?neuere Dichtung?, wie es im Vorwort heißt, aus.

Nach dem Krieg verlässt Alscher seine Familie und geht mit der zwanzig Jahre jüngeren Lehrerin Elisabeth Amberg eine Lebensgemeinschaft ein. Als politischer Journalist plädiert er für die Angliederung des Banats an Rumänien. Im neuen Staat sieht er eine Chance zur ästhetischen Erneuerung der deutschen Minderheit, sein politischer Appell genießt jedoch wenig Prestige. Entfremdet, ohne einen neuen Leserkreis gewonnen zu haben, zieht er mit Elisabeth zurück in seine Utopie, das Haus in der Gratzka wird wieder erworben. Fünf Kinder entstammen dieser Lebensgemeinschaft: Edgar (1924), Edith (1926), Hugo (1928), Erika (1930)und Ingrid (1936).

1925 und 1929 greift Friedrich Dahncke ?rätselhafte Schicksale? in den beiden Auflagen der Anthologie ?Tiergeschichten aus fremden Ländern? auf. Freiheit ist die existentielle Triebfeder des Alscherschen Luchs in der Geschichte ?Der Jagdgefährte?. Ursprüngliche Erfahrungen der Tiere werden in realistischer oder magisch-realistischer Darstellungsweise, als Kanon eines ?neuen literarischen Gebiets? der Weltliteratur, vorgestellt.

1928 erscheint der Band ?Tier und Mensch? bei Albert Langen. Das Tier ist innere und äußere Realität, eine Kommunikation zwischen diesen Welten zeigt Möglichkeiten einer persönlichen Entwicklung auf.

Die Identitätssuche in innerer Emigration lässt sich ab den Dreißigerjahren nicht mehr finanzieren. Alscher beugt sich der konventionellen Moral und der Sprache seiner Zeitgenossen in trivialen Texten, doch es interessieren weder seine Literatur noch sein Blut-und-Boden-Kitsch.

1939 wird er als Journalist bei der Temeswarer ?Extrapost?, einer gleichgeschalteten Tageszeitung, angestellt. Nach ein paar Monaten entlassen, werden die Alschers von der Armenküche verköstigt, das Haus in der Gratzka wird versteigert.

1942 ist mit dem Erbe des Fotoateliers und des Elternhauses ein erneuter Rückzug nach Orschowa in die Nähe des natürlichen, ?wahren? Daseins möglich. 1943 lässt Alscher sowohl mit eigenen Mitteln als auch mit der Hilfe seines Temeswarer Freundes Heinrich Anwender den dritten Tiergeschichtenband drucken: ?Die Bärin. Besinnliche Tiergeschichten?. Es ist eine Auswahl gelegentlicher Publikationen und der Texte, die ihm, wegen ihres humanistischen oder pazifistischen Gehalts, keine Zeitung abnimmt.

Am 23. August 1944 tritt Rumänien auf die Seite der Alliierten, die Rote Armee besetzt das Land, reichsdeutsche Staatsbürger und Amtsträger der deutschen Volksgruppe werden verhaftet. Was Alscher zum Verhängnis wird, ist unbekannt. Er stirbt am 29. Dezember 1944 im Internierungslager in Tîrgu Jiu.

Der Eintrag basiert auf den Recherchen zu folgenden Essays von Helga Korodi:

[Bearbeiten] Quellen

Nachschlagewerke, in chronologischer Reihenfolge

[Bearbeiten] Weblinks

Personendaten
Alscher, Otto
österreichischer Schriftsteller
8. Januar 1880
Perlasz, Banat (heute zu Serbien gehörend)
29. Dezember 1944
Târgu Jiu, Rumänien





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