Der Verkürzungsfaktor ist ein Begriff aus der Funktechnik und bezeichnet den Faktor, um den die Wellenlänge elektromagnetischer Wellen auf einem Leiter oder in einem Kabel (Koaxkabel bzw. Zweidrahtleitung) kürzer ist als im Vakuum. Er kann experimentell durch Zeitbereichsreflektometrie bestimmt werden.
Elektromagnetische Wellen breiten sich im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit aus. In anderen Ausbreitungsmedien, wie zum Beispiel in Luft und in Kabeln, die ein Dielektrikum enthalten, ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit geringer. In der Luft liegt die Ausbreitungsgeschwindigkeit der elektromagnetischen Wellen noch ganz nahe bei der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum.
In Koaxkabeln oder Zweidrahtleitungen mit Isolierstoff weist sie jedoch einen um den Faktor von typisch 0,6 bis 0,8 (60 bis 80 %) geringeren Betrag auf. Dieser Faktor ist der Verkürzungsfaktor (VKF). Er ist von der Dielektrizitätszahl des als Dielektrikum verwendeten Isolationsmaterial abhängig und beträgt

mit
? - relative Dielektrizitätszahl des Isolierstoffes
Der Verkürzungsfaktor muss z. B. im Antennenbau und bei der Realisierung von Leitungskreisen (Leitungsstücke definierter Länge zur Anpassung, Frequenzselektion, Phasendrehung, siehe auch Lecherleitung oder Symmetrierglied) berücksichtigt werden.
Symmetrisches 240-Ohm-Antennenkabel (Zweidrahtleitung, Stegleitung) hat einen typischen Verkürzungsfaktor von 0,8. Bei Koaxialkabel sind es typisch 0,66. Diese Faktoren gelten für Polyethylen als Dielektrikum, welches bei Stegleitung nicht den ganzen Raum des elektrischen Feldes ausfüllt, bei Koaxialkabel jedoch den gesamten Raum zwischen Innenleiter und Mantelleiter füllt.
Koaxialkabel sind oft mit geschäumtem PE gefüllt, dann hat der Verkürzungsfaktor einen größeren Wert.
Auch ein Halbwellendipol muss für Resonanz eine Länge < 0,5 bezogen auf die Wellenlänge haben. Dieser Faktor wird ebenfalls als Verkürzungsfaktor bezeichnet. Er entsteht dadurch, dass auch auf dem Leitermaterial der Antenne die Wellenlänge kleiner ist als die Freiraumwellenlänge (Faktor ca. 0,48 statt 0,5, d.h. etwa 96 %). Maßgeblich dafür sind die Endkapazitäten des Leiters aufgrund dessen Durchmesser > 0. Diese sind um so größer, je dicker der Leiter ist.