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Romanische Landkirche mit profanem Obergeschoss
Romanische Landkirchen mit profanem Obergeschoss in Altbayern und Niederösterreich. Blaue Kreise = Kirchenstandorte. Rote Kreise = nachgewiesenes Besitztum der Pabonen
Exemplarische Aufrisse der Burgkapelle von Hof am Regen. Gut erkennbar die beiden profanen Obergeschosse, die Westempore mit erhöhtem Außeneingang und Zugang über Holzbrücke, der schmale Aufgang in die Obergeschosse innerhalb der Mauerstärke.
Die romanische Landkirche mit profanem Obergeschoss, meist errichtet in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts, findet sich regional gehäuft in bestimmten Regionen Altbayerns. Es handelt sich um einen seltenen Kirchentypus, der sich dadurch auszeichnet, dass auf einen romanischen Kirchenraum ein weiteres Geschoss für profane Zwecke aufgesetzt wurde. Die Kirchen sind vermutlich Teil eines Landerschließungsplanes der Burggrafen von Regensburg und der Landgrafen von Stefling, aus der Familie der Pabonen.
Nicht verwechselt werden dürfen diese Kirchen mit romanischen Doppelkapellen oder Doppelkirchen, wie sie sich nicht selten als Burgkapellen oder Beinhäuser und gehäuft auch im Alpenraum nachweisen lassen.
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Inhaltsverzeichnis
- 1 Bautypus
- 2 Bauzeit
- 3 Ortslage
- 4 Geographische Verbreitung
- 5 Beispiele
- 6 Die Kirchengebäude im Einzelnen
- 6.1 Kirchen mit einem profanen Obergeschoss
- 6.1.1 Donauraum
- 6.1.2 Nordoberpfalz
- 6.1.3 Altmühltal
- 6.1.4 Hallertau und Niederbayern
- 6.1.5 Oberbayern
- 6.1.6 Niederösterreich
- 6.2 Kirchen mit zwei oder mehreren profanen Obergeschossen, z. T. abgegangen
- 6.2.1 Oberpfalz
- 6.2.2 Niederbayern
- 6.2.3 Oberbayern
- 6.2.4 Niederösterreich
- 6.3 Kirche mit einem profanen Obergeschoss, heute abgegangen
- 6.3.1 Donauraum
- 6.3.2 Bayerischer Vorwald
- 6.3.3 Nordoberpfalz
- 6.3.4 Altmühltal
- 6.3.5 Nordoberbayern
- 6.3.6 Westoberpfalz
- 6.3.7 Hallertau
- 6.3.8 Oberbayern
- 6.3.9 Schwaben
- 6.3.10 Oberfranken
- 6.3.11 Niederösterreich
- 7 Architektonisch herausragende Beispiele
- 7.1 Kirchen mit Rundapsis
- 7.2 Kirchen mit Rechteckchor oder Chorturm
- 7.3 Sog. Burgkapellen
- 7.4 Kirchen mit Westturm
- 7.5 Kirchen der ehemaligen Ostmark
- 8 Geschichtliche Einordnung: Die Rolle der Pabonen
- 9 Sog. "Doppelkapelle am Herrensitz"
- 10 Theorien über die primäre Zweckbestimmung der profanen Obergeschosse
- 10.1 Speicherräume
- 10.2 Herberge für Landfahrer und Pilger
- 10.3 Asylort für abtrünnige Kleriker
- 10.4 Zufluchtsort und Versteck in unsicheren Zeiten
- 10.5 Stützpunkte der Ritterorden
- 10.6 Kreuzfahrerstationen und -unterkünfte
- 11 Zusammenfassende Wertung
- 12 Ausblick
- 13 Literatur
- 13.1 Zum Bestand
- 13.2 Zu den Kirchen mit profanen Obergeschossen
- 13.3 Über die Burggrafen von Regensburg
- 14 Weblinks
- 15 Anmerkungen
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[Bearbeiten] Bautypus
Es handelt sich meist um kleine, aber oft sehr hohe, einschiffige Saalkirchen mit Westempore und eingezogener Rundapsis im Osten, seltener mit einem Rechteckchor bzw. einem Chorturm. Letztere Variante findet sich vor allem im westlichen Verbreitungsgebiet. Die oft sehr dicken Mauern dieser Kirchen sind meist in sorgfältiger Technik aus Großquadern errichtet, welche das Niveau sonstiger Landkirchen und auch profaner Gebäude der Romanik bei weitem überschreitet, [1] dagegen finden sich an ihnen nur vereinzelt romanische Zierelemente. Als Baumaterial diente das Gestein der näheren Umgebung, d. h. je nach Region Granit, Sandstein, Dolomit oder Kalkstein. Dort, wo kein entsprechendes Naturgestein zur Verfügung stand, wurde auch Ziegelstein verwendet.
Als konstruktive, typenbestimmende Gemeinsamkeit besitzen die Kirchen über dem romanischen Kirchenraum ein profanes Obergeschoss, welches zum Teil über einen schmalen Innenaufgang innerhalb der Mauerstärke, zum größeren Teil über einen Außenzugang in mehreren Metern Höhe (ohne Treppenkonstruktion) erreicht werden kann. Dieser Außeneingang, der heute meistens zugesetzt ist, [2] erschließt zunächst die Westempore und gestattet den weiteren Aufgang zum Obergeschoss, welches mitunter nur einen Kniestock, oft aber auch komplette Geschosswände aufweist und dem Gesamtbau zu eindrucksvoller Höhe verhilft. Später wurde diese Höhe oft wieder aufgegeben oder durch neuere Dachkonstruktionen ersetzt, vereinzelt wurde auch nachträglich ein weiteres Obergeschoss aufgesetzt. Wenige Kirchen wurden zu Doppelkapellen umgewandelt. [3]
In kleineren Kirchen der genannten Bauart finden sich auch profane Obergeschosse im Chorturm, [4] selten auch in einem Westwerk oder Westturm. [5]
[Bearbeiten] Bauzeit
Über die Entstehungszeitpunkte und -umstände gibt es nur extrem selten urkundliche Informationen. [6] Aufgrund der in Süddeutschland gerade eingeführten Quadertechnik und stilistischer Merkmale werden mit wenigen Ausnahmen alle Kirchen in die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert.
[Bearbeiten] Ortslage
Die Kirchen liegen meistens in Einzellage oder sind von einem sehr kleinen Dorfensemble umringt, sie finden sich nie in Städten oder bei Klöstern. Die meisten Kirchen sind heute Filialkirchen. Nur wenige sind heute Zentrum eines größeren Dorfensembles oder dienen als Pfarrkirchen.
Neben ausgesprochenen Tallagen [7] kommen des Öfteren auch Hanglagen, [8] Geländeterrassen, [9] sehr selten auch Gipfellagen [10] vor. Ein Teil der Kirchen war einst von einer ringförmigen Wall-Graben-Anlage umgeben, [11] wovon sich heute oft nur noch geringe oder gar keine Spuren finden. Häufig lagen die Kirchen im Mittelalter an einem Gutshof, der später nicht selten in mehrere Hofstellen geteilt wurde. [12]
Die allermeisten Kirchen finden sich in Sichtweite einer größeren Burganlage, deren Ursprung in dieselbe Zeit zurückdatiert, [13] ganz wenige sind in eine solche nachträglich integriert worden. [14] Häufig ist ein unmittelbar an der Kirche gelegener Edelsitz nachweisbar, allerdings meistens nur indirekt erschlossen aus der späteren, urkundlichen Nennung von Aftervasallen, die zu dem Kapellenort gehörten. In wenigen Fällen wurde eine Kirche mit Aufsatz von zwei Obergeschossen zu einer förmlichen Turmburg erweitert.
[Bearbeiten] Geographische Verbreitung
Die Kirchen finden sich überwiegend in Altbayern. In auffallender Häufung trifft man sie im Hügelland der östlichen Oberpfalz und des bayerischen Vorwaldes an, z. T. in der Nähe alter Heer- und Handelsstraßen. Weitere Schwerpunkte sind das mittlere Altmühltal, die Donauniederungen östlich und südwestlich von Regensburg und die Hallertau. Vereinzelt finden sich die Kirchen auch in der westlichen Oberpfalz, im Alpenvorland, in der ehemaligen Ostmark (im heutigen Niederösterreich), singulär auch in Oberfranken, bei Bamberg.
[Bearbeiten] Beispiele
Burgkapelle Breitenstein bei Königsstein
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St. Ägidius in Türkenfeld bei Hohenthann
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St. Johann Baptist in Rinkam bei Straubing
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St. Johann Baptist in Piesenkofen bei Egglkofen
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St. Ägidius in Schönfeld bei Wald
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St. Georg in Neukirchen bei Train
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Burgkapelle in Hof am Regen
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Unsere Liebe Frau in Gasseltshausen
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St. Ulrich in Wilchenreuth bei Weiden
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St. Gallus in Sandharlan- den
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St. Ägidius im Kreuzhof bei Regensburg
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[Bearbeiten] Die Kirchengebäude im Einzelnen
Die im Folgenden aufgeführten Kirchen sind nach regionalen Schwerpunkten gruppiert.
[Bearbeiten] Kirchen mit einem profanen Obergeschoss
[Bearbeiten] Donauraum
- St. Ägidius im Kreuzhof bei Regensburg: Eindrucksvoller, hoher Saalbau mit Rundapsis. Einst Ausgangsort der Kreuzzüge, erst kürzlich vor dem Verfall gerettet. Zugang ins Obergeschoss durch einen Mauergang, erreichbar über die einst von außen durch eine Tür in der Westwand betretbaren Westempore.
- St. Johann Baptist in Rinkam bei Straubing: Kirche mit Rechteckchor und eingezogenem Westturm, hier mit Zugang zum Obergeschoss. Edelsitz neben der Kirche nicht sicher nachgewiesen.
- Burgkapelle 14 Nothelfer in der Burgruine Dobl bei Iggensbach: Einschiffige, romanische Anlage mit ungleichmäßig eingezogenem Chor. Nur der unterkellerte Chor mit archaisch-weitem Chorbogen scheint aus der Frühzeit zu stammen, hier mit Quadermauerwerk und erhaltenem Profangeschoss, von außen erkennbar an hochsitzenden Fenstern. Langhaus vermutlich erst bei einer späteren Erweiterung zu Burganlage hinzugefügt, Obereinstieg zur Westempore entspricht wohl nicht der ursprünglichen Disposition.
[Bearbeiten] Nordoberpfalz
- St. Ulrich in Wilchenreuth bei Weiden: Hohe Saalkirche mit romanischer Rundapsis, letztere mit seltener Darstellung des Christus Pantokrator. Lage an einem Edelsitz angenommen, aber nicht sicher. Verputztes Obergeschoss, Zugang durch einen heute vermauerten Einstieg in der Westwand.
- St. Nikolaus in Bernstein bei Erbendorf: Durch spätere Umbauten stark verändert. Die einzige Kirche mit Westwerk, darin ein Profanraum ohne Bezug zum Kirchenraum.
- St. Michael in Schönkirch bei Plößberg: Sehr hohe, im oberen Teil verputzte Saalkirche aus Granitgroßquadern, mit profanem Obergeschoss, hergerichtet zu Wohnzwecken (Sitzbänke an Schlitzfenstern, Innenverputz). Weiteres Obergeschoss über Balkenlage. Ein drittes OG mündlich überliefert. Lage an einem Edelsitz, heute abgegangen, auf dem Urkataster noch Ringgraben erkennbar.
[Bearbeiten] Altmühltal
- St. Martin in Aicholding bei Riedenburg: Einschiffiger Saalbau mit eingezogenem Chor im Chorturm. Profanraum vormals vom benachbarten Herrenhaus über eine Holzbrücke zu erreichen (Pfostenlöcher), heutiger Schlossbau wesentlich jünger. Bauliche Bezüge zu Deising und Baiersdorf (Kragstein mit Stab).
- St. Peter in Deising bei Riedenburg: Romanische Chorturmanlage. Unter dem Verputz sorgfältiges Kalksteinquadermauerwerk. An der Südseite des Turmes Einstiegsöffnung in ein profanes Obergeschoss. Gehörte als Filialkirche zu Altmühlmünster. Bauliche Bezüge zu Aicholding und Baiersdorf (Kragstein mit Stab).
- St. Johann Baptist in Baiersdorf bei Riedenburg: Romanische Chorturmanlage, verputzer Quaderbau. Einstiegsöffnung zu einem profanen Turmraum. Bauliche Bezüge zu Deising und Aicholding (Kragstein mit Stab).
- St. Nikolaus in Unteremmendorf bei Kinding: Romanische Chorturmanlage, profanes Obergeschoss über dem Langhaus. Barocke Umbauten.
[Bearbeiten] Hallertau und Niederbayern
- St. Gallus in Sandharlanden bei Abensberg: Hohe Saalkirche aus sorgfältig behauenen Quadern, Chorturm, profanes Obergeschoss, einstiger Aufgang an der Westwand (inzwischen umgebaut). Romanisches Rundbogenportal an der Südseite zugesetzt.
- St. Georg in Neukirchen bei Train: Kleine romanische Chorturmkirche auf einer Terrasse, durch Ringwassergraben der vorbeifließenden Abens umgeben (heute trockengelegt). Im Turm Einstiegsöffnung in profanes Obergeschoss mit erhaltener Holzklapptür und Möglichkeit zur Barrikade. Romanisches Fresko an der linken Chorseite.
- St. Ägidius in Türkenfeld bei Hohenthann: Romanische Saalkirche mit hoher Rundapsis aus dem 12. Jh., teilweise barockisiert. Mögliche Verbindung mit einem nicht erhaltenen Edelsitz. Halbkuppel höher als die Wölbung des Schiffs, dadurch über der Apsis weiterer Raum, dessen Funktion lokal als "Malefizraum" beschrieben ist. Aufgang zum Obergeschoss über dem Langhaus und zu diesem Raum durch in der Mauerstärke ausgeführte Treppen.
[Bearbeiten] Oberbayern
- St. Jakobus in Schondorf am Ammersee: Bestens erhaltene Saalkirche mit Rundapsis und profanem Obergeschoss, über die Empore in einer Mauertreppe erreichbar, sorgfältige Quadertechnik aus Tuffstein.
- St. Georg in Thal bei Tuntenhausen: Tuffquaderbau vor 1200, einst von einem Wassergraben umgeben, beide Geschosse flachgedeckt. Das Obergeschoss nur von außen zu zugänglich.
[Bearbeiten] Niederösterreich
- Kirche in Altweitra: Kirche von 1190. Erbauer Hadmar II. von Kuenring. [15] Langgestreckter Quaderbau aus mehreren Kuben, profanes Obergeschoss. Ursprünglicher Turm abgetragen.
- Burgkirche in Maiersdorf bei Wiener Neustadt: Festungsgleicher Kirchenbau. Langhaus und Turm aus dem 12. Jh.. Obergeschoss aufgesetzt, Abschluss mit erhöhtem Turm. Erste urkundliche Erwähnung eines Herren von 1128, zugehöriger Edelsitz abgegangen. Obere Einstiegsöffnung an der Südseite des Kirchturms, Türblatt noch original.
[Bearbeiten] Kirchen mit zwei oder mehreren profanen Obergeschossen, z. T. abgegangen
[Bearbeiten] Oberpfalz
- Burgkapelle in Hof am Regen bei Stefling: Hoher rechteckiger Turmbau aus Granitquadern, vor 1200, auf einer Anhöhe über dem Regen. Im Untergeschoss romanische Kapelle mit schmalem Langhaus und enger, eingezogener Apsis. Obereingang in die Westempore von außen, hier Balkenlöcher für Herrenbrücke nachträglich eingebrochen. Von dort Aufgang in der Mauerstärke in zwei profane Obergeschosse, z. T. aus späterer Zeit. Durchgang zu einem über der Apsis liegenden, zusätzlich verriegelbaren Raum. Stammsitz der Hofer. In Sichtweite des Stammsitzes der Pabonen, Burg Stefling (siehe unten).
- St. Peter und Paul in Obertrübenbach: Vormals mit einer Ringmauer umgeben und wohl einst zum Edelsitz der "Trübenbecker" gehörig. Gotischer Choranbau. Vermutlich zwei profane Obergeschosse, eines inzwischen abgegangen, beide von einer gefassten Einstiegsöffnung in der Westempore aus erreichbar.
[Bearbeiten] Niederbayern
- Unsere Liebe Frau in Gasseltshausen: Dreigeschossiger Turmbau aus Backstein (vereinzelt mit Ornamentprägung), von beeindruckender Höhe. Untergeschoss Kapellenraum, eventuell erst später etabliert. Eingangsbau aus jüngerer Zeit. Über der hohen Obergeschosskapelle weiteres Profangeschoss, nur über sehr schmale Mauerschächte neben der Apsis zu erreichen.
[Bearbeiten] Oberbayern
- St. Johann Baptist in Piesenkofen: Turmartiger Backstein-Kirchenbau mit sehr hoher Rundapsis. Gelegen an drei Bauernhöfen, an einem alten Salweg von Salzburg nach Regensburg. Einstiger Edelsitz vermutet, nicht sicher nachgewiesen. Vermauerter Obereingang in zwei profane Obergeschosse, erreichbar über schmale Mauertreppe, einst getrennt durch eine Balkendecke. Ebenmäßige Ausführung des harten Backsteinmauerwerks. Tiefe Fundamentierung.
[Bearbeiten] Niederösterreich
- St. Veit in Michelstetten: Westteil der hohen, in Quadertechnik errichteten Saalkirche vom Ende des 12. Jh. Niedriges profanes Obergeschoss mit Schlitzfenstern, einst nur durch Außenaufgang über den Turm zu erreichen. Darüber zweites Obergeschoss. Treppe in der Mauerstärke der Westwand. Historisch ab 1249 mit dem Johanniterorden verbunden. [16]
[Bearbeiten] Kirche mit einem profanen Obergeschoss, heute abgegangen
Das vormalige Vorhandensein eines profanen Obergeschosses wird bei diesen Kirchen aufgrund baulicher Merkmale oder archivarischer Hinweise erschlossen; oft besteht große Typenverwandschaft zu den obigen Kirchen.
[Bearbeiten] Donauraum
- St. Koloman in Harting bei Regensburg: Stark barockisierte Dorfkirche bei Regensburg vom Typ Doppelkapelle, mit romanischer Westempore. Von dort Aufgang in der Mauerstärke zu einem heute nicht mehr vorhandenen profanen Obergeschoss, von außen erkennbar an einem kleinen romanischen Fensterchen im Westgiebel.
- Sog. "Judentempel" in Burgweinting: Kirche als doppelgeschossig anekdotisch erwähnt, vor wenigen Jahren vollständig abgetragen. Beiname "Synagoge" oder "Judentempel" unklar.
- Kirche Mariä Himmelfahrt in Oberndorf an der Donau: Einschiffiger Gewölbebau mit Nordturm, in dessen Untergeschoss Vorhalle zum Eingang. Repräsentative Türöffnung in der nördlichen Langhauswand zu einem vormaligen profanen Turmgeschoss. Tiefsitzende Langhausfenster als weiterer Hinweis auf frühere Doppelgeschossigkeit.
- St. Ulrich und Wolfgang in Tiefenthal bei Wörth an der Donau: Ursprünglich doppelgeschossige Kapelle des 12. Jahrhunderts mit Rundapsis, malerisch auf einem Bergrücken über dem Donautal gelegenen. Möglicherweise beigeordeter Edelsitz, Reste einer Wall-Graben-Anlage. Starke barocke Umformung. Apsiskalotte des vormaligen Obergeschosses durch eine Flachdecke des 17. Jh. verdeckt.
- St. Matthäus in Zinzendorf bei Wörth an der Donau: Hohe romanische Dorfkapelle mit Rundapsis. Vormaliges Obergeschoss wegen Überhöhung der Langhausmauern zu vermuten. Romanische Kragsteine an den Traufen als Hinweis auf ein überbordendes Dach wie bei St. Andreas in Bad Gögging.
[Bearbeiten] Bayerischer Vorwald
- St. Ägidius in Schönfeld bei Wald: Aus sorgfältig behauenen Granitblöcken errichtete Saalkirche mit zwei überwölbten Jochen und einer Rundapsis. Zahlreiche Steinmetzzeichen. In der Mauerstärke aufgeführter Aufgang in ein vormaliges profanes Obergeschoss, in Emporenhöhe zusätzlich durch einen westlichen Außenaufgang erreichbar. Niedriges, durch Mauerschlitze belüftetes Kellergeschoss unter dem Kirchenraum, von diesem durch eine eichene Balkendecke getrennt. Einsame Lage an 3 Bauernhöfen. Früherer Edelsitz nicht sicher nachweisbar.
- St. Ägidius in Katzberg bei Cham: Vormalige Chorturmkirche an abgegangenem Edelsitz, mit diesem verbunden durch einen überdachten Holzsteg, erkennbar auf einem Stich von Wening (1726). Auffallende Kragsteine. Auf ein profanes Obergeschoss weist v. a. die Aufmauerung an den Langhauswänden über den Kragsteinen hin.
- Heilige Drei Könige und St. Matthäus in Friedersried bei Stamsried: Romanische Landkirche aus Sandstein, einst wohl zweischiffig, mit einem schön gestuften Gewändeportal, erst kürzlich freigelegt. Statische Probleme um 1720, Abtragung des Gewölbes und des profanen Obergeschosses, auf welches heute noch hohe Langhausfenster hinweisen, Errichtung starker Stützpfeiler an der südlichen Außenwand.
- St. Stephan in Hatzelsdorf bei Zell: Die in der Tonne gewölbte, einst zum Kloster Walderbach gehörige, heute in ein Bauernhaus integrierte Kapelle ist in Großquadern erbaut und besaß bei beträchtlicher Höhe einst einen Obereingang von außen. Deshalb ist ein abgegangenes Obergeschoss denkbar.
[Bearbeiten] Nordoberpfalz
- St. Ägidius in Hof bei Oberviechtach: Älteste Kirche des Landkreises Oberviechtach, einst Saalbau mit einem quadratischen eingezogenem Chor, an einer Hangkante bei einem ehemaligen Meierhof gelegen. Errichtet aus massiven Granitquadern, an der Westfront vermauerter Obereingang und Treppenaufgang als Hinweis auf ein früheres Obergeschoss.
- St. Matthäus in Altentreswitz bei Vohenstrauß: Kleine, malerisch auf einer Anhöhe beim Ort gelegene Kirche aus dem 12. Jahrhundert mit im Vergleich zur Länge unverhältnismäßiger Höhe. Anfang der 90iger Jahre Freilegung hoher Fenster, weitere Hinweise auf ein vormaliges Obergeschoss über einer Gewölbetonne. Vormals gemauerte Westempore mit zwei Jochen. Granitgefasster Durchlass vom heutigen Dachboden in einen kleinen Raum über der Apsis.
- Burgkapelle Hl. Dreifaltigkeit und Hl. Johannes von Nepomuk in Breitenstein bei Königsstein: Hoher Bau aus Granitquadern, mit Rundapsis und drei Geschossen, an exponierter Stelle über einem Felsabgrund. Untergeschoss ursprünglich Durchgang zu einen mit Holzbrücke verbundenem Ansitz, erst später in einen Sakralraum umgewandelt. Über der Oberkapelle weiteres Obergeschoss, erkennbar an einer Fensteröffnung. Erst nachträglich Integration in die sogenannte Vorburg der späteren Burg Breitenstein. Starke bauliche Ähnlichkeit mit den Kirchen in Schönfeld, Türkenfeld, Hof am Regen.
[Bearbeiten] Altmühltal
- St. Benedikt in Landershofen bei Eichstätt: Romanische Anlage mit Turm zwischen Apsis und Langhaus, um 1190 geweiht. Romanische Oberfenster an der Langhaussüdseite weisen auf eine Westempore und ein profanes Obergeschoss hin.
[Bearbeiten] Nordoberbayern
- St. Oswald in Hepberg: Kleine romanische Saalkirche mit hochsitzenden Fenstern unter den Traufkanten. Auf der Empore zugemauerte Türöffnung. Beides Hinweise für ein profanes Obergeschoss. In der Nähe auch unterirdischer Fluchtgang.
[Bearbeiten] Westoberpfalz
- St. Nikolaus in Haugenried bei Nittendorf: Kleine flachdeckte Chorturmkirche außerhalb des Dorfes. Großquaderbau. An der Südseite in 4 m Höhe vermauerte romanische Eingangsöffnung in ein inzwischen abgetragenes Obergeschoss. Benachbart den Rammelsteinern, Erbauer der Burg Loch und Ministerialen der Pabonen (siehe unten).
- St. Leonhard in Allersburg bei Hohenburg: Zweigeschossige Kapelle, heute als Teil eines Rundkarners ausgegeben, jedoch mit Patrozinium, vermutlich vormals doppelgeschossige Kirche mit Rundapsis. Sitz der Pabonen im 12. Jh. (siehe unten)!
- Unsere Liebe Frau in Oberammerthal: Starker bauliche Veränderungen im 15. und 16. Jh. Überhöhung des Langhauses und 2 kleine romanische Trauffenster in der Nordwand als Hinweis auf ein einstiges Obergeschoss.
- St. Maria in Oberweiling bei Velburg: Romanische Chorturmanlage mit einem in Emporenhöhe liegenden Zugang und einer in der Mauerstärke ausgeführten Steintreppe in ein vormaliges Obergeschoss. Emporenzugang von außen vermutlich vorhanden, jedoch zugesetzt und verputzt.
[Bearbeiten] Hallertau
- St. Ulrich in Ainau: Kapelle eines früheren Edelsitzs, auf einer Anhöhe mit Ring-Wassergraben. Romanische Apsiden-Saal-Anlage in Gußmauerwerk, mit regelmäßigen Quadern verblendet, um 1220/30 erbaut und später mehrfach umgebaut. Von hohem künstlerischen Rang die romanischen Skulpturen am Südportal. Vorgängerbau (Ainau I) durch Grabung erschlossen, ein von außen zugängliches Obergeschoss in diesem Bau vermutet. Möglicher Hinweis hierzu auch ein erhaltener Mauersprung an der inneren Nordwand.
- St. Nikolaus in Piedendorf bei Au in der Hallertau: Romanischer Backsteinbau des 12. Jh., ehemals mit einem jetzt weitgehend abgetragenen Obergeschoss. An der Chorsüdseite ehemaliger Einstieg ins Obergeschoss, heute zugesetzt.
- Heilig Kreuz in Haunsbach bei Elsendorf: Von der romanischen, vormals doppelgeschossigen Anlage aus Großquadern ist die hohe Chorapsis erhalten. In halber Höhe umlaufendes Deutsches Band. Romanisches Südportal zugesetzt. Über der Apsis schlichter quadratischer Turm aus nachmittelalterlicher Zeit.
- St. Koloman in Thonhausen bei Freising: Romanische Chorturmkirche aus Backstein, im 17. Jh. verändert und angebaut. Auf das profane Obergeschoss deuten hohe Schlitzfenster an der Südseite hin. Unter dem Dachansatz des romanischen Langhausteils Deutsches Band und andere Zierelemente. Innen heute massive Überwölbung, der Westteil mit einer Leibung aus Holz.
- St. Jakobus in Hebrontshausen: Auf einer Anhöhe gelegene Chorturmkirche; der ehem. Chor (Sakristei) spätromanisch, der jetzige Chor das spätromanische Langhaus, das heutige Langhaus von 1856. Apsisgliederung durch Rundbogenarkaden mit Lisenen und Kämpfern, darüber Rundbogenfries und Deutsches Band. Ehedem zweigeschossige Anlage. Der Turm mit Satteldach nachmittelalterlich.
- St. Nikolaus in Ossenzhausen: Romanische Saalkirche, Sandsteinmauerwerk, wohl ehem. zweigeschossig. Westturm mit Bogenblenden sowie Chor wohl Anfang 15.Jh.
- St. Stephan in Unterwangenbach: Romanische Saalkirche mit Chorturm. Obergeschoss einst betretbar durch eine heute zugesetzte Tür im Turm, auch erkennbar an hoch angesetzten romanischen Schlitzfenstern.
- St. Katharina in Rannertshofen: Romanische Chorturmkirche mit hohem Langhaus. Obergeschoss anekdotisch überliefert, 1732 aufgelassen und mit dem Kirchenraum vereinigt.
[Bearbeiten] Oberbayern
- St. Jakobus in Urschalling: Kleiner romanischer Saalbau mit abgesetzter Rundapsis und Apsistürmchen mit Zwiebelhaube. Der westliche Vorraum mit Empore und Tonnengewölbe in einer alten Turmanlage von 1160/70, vermutlich einst mit einem oder mehreren profanen Obergeschossen. Berühmt der erhaltene romanische und gotische Freskenzyklus aus dem 13. und 14. Jh.
[Bearbeiten] Schwaben
- St. Nikolaus in Emmereis im Allgäu: Älteste Kirche des Allgäus an einem Burgstall. Fresko des Erbauers in der Kapelle. Am aufgelassenen Obergeschoss Licht- und Luftschlitze.
[Bearbeiten] Oberfranken
- St. Ägidius in Kirchaich bei Bamberg: Aus dem altbayerischen Rahmen herausfallende Chorturmkirche, um 1300 im ältesten Ort des Aurachtals bei Bamberg errichtet und dem heiligen Ägidius geweiht. Laut Dehio ehedem ein sog. "Wehrgeschoss" über dem Langhaus, 1717 mit dem Kirchenraum zusammengezogen. Zahlreiche spätere Um- und Anbauten. Bislang einziger identifizierter Vertreter einer Landkirche mit profanem Obergeschoss in Franken.
[Bearbeiten] Niederösterreich
- St. Oswald bei Nöchling an der Ysper: Pfarrkirche des Ortes, um 1160 als mächtiger Bau mit überhöhtem Langhaus und massivem Westturm ausgeführt. In der Gotik und Barockzeit grundlegende Umgestaltung, heute nur noch wenige Teile aus der Zeit der Erbauung. An der Fassade des Turmes freigelegtes Quadermauerwerk. Dreijochiges Langhaus mit einer Westempore. Oberen Turmgeschosse, vielleicht auch ein Raum über dem Langhaus, für profane Zwecke. Einzige Kirche dieser Reihe, bei der die Umstände der Erbauung sowie der Erbauer selbst, Burggraf Friedrich von Regensburg, feststehen (siehe unten).
[Bearbeiten] Architektonisch herausragende Beispiele
Viele der gelisteten Kirchen wurden durch spätere An- und Umbauten stark verändert. Für den Kunstfreund sind folgende Kirchen wegen der Reinheit der Bausubstanz oder stilistischer und baulicher Eigenarten besonders sehenswert:
[Bearbeiten] Kirchen mit Rundapsis
- St. Ägidius im Kreuzhof bei Regensburg
- St. Ägidius in Schönfeld
- St. Jakob in Schondorf
- St. Johann Baptist in Piesenkofen
- St. Ägidius in Türkenfeld
- St. Nikolaus in Emmereis
- St. Ulrich in Wilchenreuth
- Unsere Liebe Frau in Gasseltshausen
[Bearbeiten] Kirchen mit Rechteckchor oder Chorturm
- St. Michael in Schönkirch
- St. Martin in Aicholding
- St. Georg in Neukirchen
- St. Nikolaus in Haugenried
[Bearbeiten] Sog. Burgkapellen
- Burgkapelle Breitenstein
- Burgkapelle in Hof am Regen
[Bearbeiten] Kirchen mit Westturm
- St. Johann Baptist in Rinkam
- St. Jakobus in Urschalling
[Bearbeiten] Kirchen der ehemaligen Ostmark
- Kirche in Altweitra/Niederösterreich
- St. Vitus in Michelstetten/Niederösterreich
- Burgkirche in Maiersdorf bei Wiener Neustadt
[Bearbeiten] Geschichtliche Einordnung: Die Rolle der Pabonen
Der Burggraf von Regensburg, vermutlich Heinrich III. Prachtseite aus dem Codex Manesse
Es ist verständlich, dass die Erbauung der Kirchen, z. T. in erstaunlicher Größe und in sorgfältigster Quadertechnik ausgeführt, [17] so kosten- und aufwandintensiv war, dass die Mittel eines Landsassen in keiner Weise ausreichten, vielmehr das Engagement eines Magnaten aus dem Hochadel vonnöten war. Darüber hinaus erforderte die flächendeckende Errichtung der Kirchen - in Teilen der Oberpfalz und Niederbayerns kann man geradezu von einem Netzwerk sprechen - ein Raumkonzept, welches nur von den Größen des Landes erarbeitet und umgesetzt werden konnte.
Doch genau darüber herrscht bei den allermeisten Kirchen dokumentarische Stille. Nur in einem einzigen Fall, bei der Kirche von St. Oswald in Niederösterreich, ist Gründungszweck, Gründungsdatum und Gründungsperson urkundlich festgehalten. Diese Kirche wurde von Burggraf Friedrich von Regensburg erbaut und im Jahr 1160 mitsamt allen Besitzungen, die vom seinem Vater, Burggraf Heinrich III. von Regensburg, herrührten, als Zentrum eines neuen Kirchdorfes und Pfarrsprengels dem Bistum Passau unterstellt. [18]
Auffallenderweise liegen nahezu alle hier aufgeführten Kirchen im Herrschafts- und Einflussgebiet der Burggrafen von Regensburg, wie obenstehende Karte verdeutlicht. Ihre Hauptsitze lagen in Regensburg, Riedenburg an der Altmühl und Stefling am Regen und - in kognatischen Seitenlinien - auch in Abensberg und auf Burg Rotteneck in der Hallertau. In deren Umfeld lassen sich die Kirchen in besonderer Dichte und Häufigkeit nachweisen. [19] Angesichts dieser Koinzidenz liegt auf der Hand, in den Vertretern dieses hochadeligen Geschlechts die Initiatoren der Doppelkirchen zu sehen. Die Burggrafen von Regensburg sind genealogisch der Familie der Pabonen zuzurechnen. [20] Über mehr als 2 Jahrhunderte, von ca. 970 bis 1180, gaben sie ihr Amt in der Erbfolge von einer zur nächsten Generation weiter. In ihrer Doppelministerialität für die staufischen Herrscher Konrad III. und Friedrich I. Barbarossa einerseits und die Welfen-Herzöge von Bayern andererseits zeigten sie erstaunliche Geschicklichkeit, beherrschten trotz des immer wieder aufbrechenden Gegensatzes zwischen den um die Herrschaft rivalisierenden Geschlechtern den Spagat und standen vor allem zum Kaiserhaus in unverbrüchlicher Loyalität. [21]
Was die nordoberpfälzer Kirchen anbelangt, so wird diese Beziehung besonders augenscheinlich, denn diese sind, auch wenn sie in der Nähe pabonischen Streubesitzes lagen, als Gründungen auf staufischem Reichsland anzusehen. [22] Auch für die Entstehung der österreichischen Kirchen ist - im Fall St. Oswald ist dies bereits deutlich gemacht - Einfluss und Mitwirkung der Pabonen anzunehmen, denn auch in diesen Gebieten der ehemaligen Ostmark und im Alpenvorland besaßen diese reichlich Besitz, zum Teil durch Einheirat in die regionalen Geschlechter erworben. [23]
Noch deutlicher wird der Zusammenhang der Kirchen mit dem Geschlecht der Pabonen, [24] wenn man den herben Kontrast zu Nachbar-Grafschaften in Betracht zieht: So ist zum Beispiel im Gebiet der mächtigen Grafen von Bogen, die traditionsgemäß die Domvogtei von Regensburg innehatten, nicht eine einzige Kirche des angesprochenen Bautypus anzutreffen, und auch im Machtbereich der Diepoldinger, mit Sitz in Cham, findet sich nur eine Kirche, bei sich gewisse Hinweise für ein früheres profanes Obergeschoss ergeben haben. Dasselbe gilt auch für die noch recht umschriebenen Einflusszonen der Wittelsbacher, die zur Erbauungszeit der Kirchen kurz vor der Übernahme der Herzogsmacht in Altbayern standen (im Jahr 1180), und anderer Grafengeschlechter Bayerns. [25]
Dass die Pabonen die Obergeschosskirchen als Eigenkirchen errichten ließen, ist nicht anzunehmen. In einer Zeit sich massiv ausbreitender Ministerialität werden sie die Lokalherrschaft Landadeligen und die Betreuung der Kirchen bischöflich ordinierten Geistlichen überlassen haben, was ja auch die spätere Urkundenlage belegt. [26] Vor allem der von Altbayern aus gestartete Zweite Kreuzzug hatte nach 1147 die Grafen mit einer neuen Gefolgschaft von Rittern versehen, die - aufgestiegen aus niederen Rängen, z. T. aus den Leibeigenen und Bauern - nunmehr den Lohn ihrer Dienste und die Aufnahme in den niederen Adel erwarteten. [27]
Zu beachten ist auch, dass die Kirchen in einem zeitlich eng gesteckten Rahmen erbaut wurden, der sich wiederum in auffallender Weise mit dem Geschick der Burggrafen von Regensburg deckt. Entstanden sind sie überwiegend unter der Herrschaft des Burggrafen Heinrich III. und seines Sohnes, Burggraf Friedrich, und fallen in eine Zeit, als diese auch zahlreiche Großprojekte anderer Art, z. B. den Ausbau der Klöster Prüfening, St. Jakob und St. Mang in Regensburg, den Bau der Steinernen Brücke, die Erschließung von Stadtamhof, den Ausbau ihrer Sitze in Stefling und Riedenburg und die Errichtung ihrer künftigen Familiengrablege, des Klosters Walderbach am Regen, förderten und finanzierten. Da jedoch das Geschlecht, welches sich 1143 in eine burggräfliche und eine landgräfliche Linie aufgespalten hatte, [28] in der burggräflichen Linie schon 1185 und in der landgräflichen Linie um 1196 irreversibel erlosch, kam auch die Weiterentwicklung der doppelgeschossigen Landkirchen vollständig zum Erliegen.
[Bearbeiten] Sog. "Doppelkapelle am Herrensitz"
Situation der Kirche Katzberg bei Cham um 1736: Deutlich erkennbar ist der Bezug zum Herrenhaus und die Holzbrückenkonstruktion, die zur Herrschaftsempore der Kirche hinüberführt. An der Südseite des Langhauses belegt ein größeres Obergeschossfenster den profanen Oberraum.
Der geschichtliche Rahmen erklärt plausibel, dass in den Standardwerken der Kunstgeschichte [29] ein Großteil dieser Kirchen bautypologisch auch als "Doppelkapelle an einem Herrensitz" angesehen wird. Demnach sei in unmittelbarer Nachbarschaft der jeweiligen Kirche ein Herrenbau zu postulieren. Die ansässige Ministerialen-Familie habe zum Gottesdienst die Westempore der Kirche über eine Brückenkonstruktion, die vom Burggebäude zum oberen Außeneingang der Kirche führte, betreten, während das Gesinde und Landvolk den unteren Eingang und den unteren Kirchenraum benutzen mussten.
In der Tat lassen sich bei vielen Kirchen untergegangene Edelsitze nachweisen, die z. T. später die Kirchen in ihren Gebäudekomplex integrierten [30] oder die Kirchen selbst als Herrensitz vereinnahmten. [31] Die meisten dieser Sitze gelten heute als "abgegangen", so dass kein Rückschluss auf die Größe und Konfiguration dieser Sitze im 12. Jh. gezogen werden kann. Im Umkehrschluss erfolgt die Annahme eines früheren Edelsitzes in vielen Fällen allein durch den Nachweis einer Herrschaftsempore mit externem Obereingang.
Die Bezeichnung "Doppelkapelle am Herrensitz" suggeriert, dass die Errichtung der Kirche zeitgleich oder wenig später als der Bau der Herrensitze erfolgt sei. Dies ist jedoch nicht der Fall, ganz im Gegenteil. In den allermeisten Fällen scheint der Bau der Kirche dem des Herrenhauses vorangegangen zu sein: Viele Kirchen weisen an den Obereingängen keine eindeutigen Konstruktionsmerkmale auf, die auf den primären Anschluss eines Herrenhaus durch eine Holzbrückenkonstruktion hindeuten (z. B. Maueranschlüsse, Kragsteine, Pfostenlöcher o. ä.). [32] Es war wohl nicht immer a priori die Errichtung eines größeren steinernen Nachbargebäudes mit Brückenanschluss vorgesehen. In vielen Fällen wird zum Erbauungszeitpunkt der Kirchen der Landadelsitz die Größe eines bäuerlichen Gutshofes kaum überschritten haben, in einzelnen Fällen hat sich bis heute daran nichts geändert. [33] So wird man den Obereingängen zur Zeit der Erbauung noch eine weitere Funktion zuweisen müssen, die mit der Funktion der profanen Obergeschosse zusammenhängt.
[Bearbeiten] Theorien über die primäre Zweckbestimmung der profanen Obergeschosse
Mangels dokumentarischer Hinweise ist die eigentliche Funktion der profanen Obergeschosse nicht abschließend geklärt. Es existieren mehrere Theorien über ihre primäre Zweckbestimmung.
[Bearbeiten] Speicherräume
Die historische Ansicht F. Maders, dass die profanen Obergeschosse als permanente Speicherräume für die beiliegenden Höfe, quasi als Scheune, gedient haben könnten, gilt inzwischen einhellig als widerlegt. Wie an den überkommenen Beispielen zu erkennen ist, verfügten die Kirchen nicht über Giebeltore und Flaschenzüge, die das Einbringen von Heu und Getreide o. ä. ermöglicht hätten, sondern nur über relativ enge und für den Gütertransport ungeeignete Innentreppen. Außerdem ist angesichts der besonderen Religiosität des 12. Jahrhunderts die profane Zweckentfremdung einer Kirche im angesprochenen Sinn kaum denkbar.
[Bearbeiten] Herberge für Landfahrer und Pilger
Eine weitere Erklärung fanden die Obergeschossräume in der Vergangenheit als Beherbergungsort für Landfahrer und Pilger, in limitierter Anzahl und für einen limitierten Zeitraum. [34] Dieser Theorie nach suchten die Pilger für eine Übernachtung die jeweiligen Obergeschosse auf, ohne den Kirchenraum selbst betreten zu müssen. Im benachbarten Hof fanden sie Verpflegung und sonstige Unterstützung. Hierzu passt durchaus die Platzierung der Kirchen in einiger Distanz zu Burgen oder dörflichen und städtischen Zentren. Die Pilgerstätten-Theorie wurde jedoch von A. Trapp in seiner Dissertation über die Kirchen [35] vehement in Abrede gestellt, weil hier ein Konflikt mit dem sehr privaten Herrschaftstrakt auf der Westempore bestünde. Allerdings übersieht dieser Einwand die hohe Wertschätzung, die das Pilgerwesen zur damaligen Zeit genoss, gerade bei den Burggrafen von Regensburg. [36]
[Bearbeiten] Asylort für abtrünnige Kleriker
Nach A. Trapp handelte es sich bei den Obergeschossen um Räume des Kirchenasyls, welches in der Zeit des Schismas zwischen 1160 und 1177 und des weiter schwelenden Konflikts zwischen Regnum und Sacerdotium besondere Bedeutung erlangte. Demnach sollen sich verfolgte Geistliche, die offen der Papstkirche in Rom (vor allem unter Papst Alexander III.) anhingen, in die Kirchen geflüchtet haben. Die Schergen seien insofern abgehalten worden, als sie zum Betreten der profanen Asylgeschosse immer den Sakralraum über die Westempore durchkreuzen und dadurch entweihen mussten.
Die Asyltheorie weist aus formalen und inhaltlichen Gründen zahlreiche Unstimmigkeiten auf: Hätten die Obergeschosse eine besondere Funktion als Kirchenasylräume gehabt, so hätte man gerade die Profanisierung vermieden und ihnen einen besonderen Weihezustand durch Einbau eines Altars oder einer Sakramentsnische verschafft. Dies ist jedoch in keinem Fall nachzuweisen. [37] In mehreren Fällen musste zum Aufsuchen des potentiellen Asylraumes gar kein Sakralraum verletzt werden. [38] Im Übrigen war bereits durch eine Synode in Rom in Jahr 1059 der Friedensbereich der Landkirchen auf 30 Schritte um das Kirchenportal herum erweitert und durch das Konzil von Clermont im Jahr 1095 sogar auf die Umgebung von Wegkreuzen ausgedehnt worden. Außerdem zeitigte das Schisma in Altbayern keine besonderen Folgen: Die Geistlichkeit verhielt sich ruhig und sowohl die Bischöfe Bayerns, aber auch die Burggrafen von Regensburg und die von ihnen abhängigen Ortsministerialen sind als ausgesprochen kaisertreu einzuschätzen. So ist es nicht plausibel, dass sich ein von ihnen eingesetzter Ortsgeistlicher als Asylgeber für Abweichler betätigt hätte, zumal er sich damit seinen eigenen Herren entgegengesetzt und sich selbst der Verfolgung preisgegeben hätte. Ein Dauerversteck für papsttreue Geistliche, gewährt durch den Ortsgeistlichen, ist noch viel weniger anzunehmen, desgleichen ein Asyl für kaisertreue Geistliche. [39]
[Bearbeiten] Zufluchtsort und Versteck in unsicheren Zeiten
Dass bei den allermeisten Kirchen die Obergeschossräume den örtlichen Adelsfamilien auf Dauer als Wohn- und Residenzräume dienten, ist nicht anzunehmen, denn mit wenigen Ausnahmen [40] sind sie zu einfach in ihrer Ausführung und zu umständlich und unbequem im Aufstieg. Man kann jedoch annehmen, dass die profanen Oberräume primär als passagerer Zufluchtsort im Angriffsfall dienten. In der Tat waren in der zweiten Hälfte des 12. Jhs. die Zeiten sehr unruhig: So sah sich das Bistum Regensburg, in dem die meisten der Kirchen liegen, in den Jahren 1133 und 1145 heftigen Landfehden durch die Herzöge Heinrich der Stolze und Heinrich Jasomirgott ausgesetzt, was auch die Geistlichen in den Landkirchen und die mit dem Bischof sympathisierenden Edlen in ihren Landsitzen bedroht haben dürfte.
Zu dieser Theorie passt auch, dass die jeweiligen Oberräume nicht nur den erwähnten äußeren Obereingang ? dann mit einziehbarer Leiter und Verriegelungsmöglichkeit von innen, aber nicht mit Brücke ? aufweisen, sondern sehr oft auch einen in der Mauerstärke ausgeführten, auf Mannsbreite reduzierten Innenaufgang, welcher zum Kirchenraum hin und nach außen fest mit Balkenriegeln verschlossen und ansonsten gut verteidigt werden konnte. In diesem Zusammenhang wäre auch statthaft gewesen, in den Obergeschossen vorübergehend Lebensmittel zu lagern. In einem Fall [41] scheint sogar ein Kellergeschoss hierfür ausgebaut worden zu sein.
Für eine aktive Verteidigung waren die Kirchen in keinem Fall ausgelegt, denn sie lagen häufig strategisch nicht günstig, [42] boten für nur wenige Menschen Raum und wiesen weder Schießscharten noch Pechnasen o. ä. auf. [43] Insofern ist es bei den Kirchen auch nicht statthaft, von einer Wehrkirche oder gar Kirchenburg zu sprechen. Ausnahmen sind natürlich die Kirchen, die nachträglich in eine Burganlage integriert wurden.
[Bearbeiten] Stützpunkte der Ritterorden
Für einen Teil der profanen Obergeschossräume muss eine Nutzung als Stützpunkte der großen Ritterorden, der Templer und Johanniter, [44] ins Auge gefasst werden, benötigt für deren weitläufige Unternehmungen. Demnach hätten die Mitglieder der Ritterorden, die häufig aus dem örtlichen Landadel stammten und in ihrem Mönchsrittertum anonym blieben, das profane Obergeschoss als geschützte Unterkunft und Versammlungsort und den darunter liegenden Sakralraum für monastischen Übungen nutzen können. Dazu passt, dass die Kirchen größtenteils zwischen den beiden Kreuzzügen, die von Regensburg aus ihren Ausgang nahmen, [45] errichtet wurden, d. h. zu einer Zeit, als die Ritterorden starken Zulauf erfuhren und in ganz Europa expandierten.
Einige dieser Kirchen finden sich in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Templerkomturei von Altmühlmünster, die von den Burggrafen von Regensburg, Otto II. von Stefling und Heinrich III. von Riedenburg, im Jahr 1155 gestiftet wurde. In einem Fall, nämlich in Deising, ist die Zugehörigkeit einer Kirche mit profanem Obergeschoss zu Altmühlmünster konkret nachgewiesen, bei zwei weiteren Fällen, in Aicholding und Baiersdorf, aufgrund baulicher Eigenheiten und der unmittelbaren Nachbarschaft nahe liegend. Allerdings relativiert sich hier der vermutete Verwendungszweck gerade wegen der Nähe zur Komturei.
Finanzieller Einsatz oder Trägerschaft seitens der Ritterorden würde jedenfalls die Aufwändigkeit der Kirchen, mit der sie errichtet wurden, erklären, allerdings müsste man dann eine weitläufigere Verteilung der Kirchen - über die nachgewiesenen Räume hinaus - annehmen. Im Übrigen ist in keinem Fall ein solcher Einsatz oder eine entsprechende Trägerschaft belegt. So bleiben in diesem Zusammenhang viele offene Fragen und Zweifel.
[Bearbeiten] Kreuzfahrerstationen und -unterkünfte
Zum Teil liegen die Kirchen entlang der vormaligen Aufmarschrouten der Ritterheere nach Regensburg, in Tagesritt-Abständen entlang der Täler von Donau und Altmühl und an den alten Handels- und Heerstraßen, so dass eine Nutzung durch die Kreuzfahrer selbst in Frage kommt, als Übernachtungsort und Zwischenstation. Viele Patrozinien der Kirchen weisen in diese Richtung, zum Beispiel der Kreuzzugsheilige Ägidius von St. Gilles oder Johannes Baptista als Leitfigur des Johanniterordens. [46] Damit ließe sich auch der enge Zeitraum, in dem diese Kirchen errichtet wurden, erklären: Mit dem starken Nachlassen der Kreuzzugsidee gegen Ende des 12. Jahrhunderts - nach zwei verheerenden Niederlagen - wäre ein weiterer Bau dieses Kirchentypus überflüssig geworden.
[Bearbeiten] Zusammenfassende Wertung
Trotz Abwägung aller möglichen Gesichtspunkte gelingt es heute - in einer Distanz von mehr als 800 Jahren - nicht, eine primäre Einzelfunktion der profanen Obergeschosse eindeutig festzulegen. Wahrscheinlich ging es zum Zeitpunkt der Erbauung auch gar nicht darum, eine solche zu verfolgen, vielmehr konnten die Oberräume allen möglichen profanen Zwecken dienen und mal für den einen, mal für den anderen Bedarf genutzt werden, eben als Übernachtungsort für Landfahrer, Pilger und Kreuzfahrer, als Rückzugs- und Zufluchtsraum für den Ortsadel und die Ortsgeistlichkeit, im Ausnahmefall auch als Asylraum für Verfolgte. In jedem Fall ging es jedoch, wie die Konstruktionsart aufzeigt, um Befriedigung eines Sicherheitsbedürfnisses.
Dominierend und für die Errichtung ausschlaggebend war trotzdem der Sakralraum der Kirchen. Es ist wenigstens in einem Einzelfall eindeutig urkundlich belegt, dass die Kirchen dazu ausersehen waren, den künftigen Entwicklungskern von Pfarrgemeinden darzustellen und in ihrer Multifunktionalität die geistliche und weltliche Erschließung Altbayerns und der Ostmark voranzutreiben.
Hinter dem ehrgeizigen Projekt standen in den allermeisten Fällen die Pabonen, die Burggrafen von Regensburg und Landgrafen von Stefling, die über fast zwei Jahrhunderte die Geschicke des Landes entscheidend mitbestimmten, ehe sie zum Ende des 12. Jahrhunderts plötzlich ausstarben. Neben ihren politischen Leistungen ist ihr kultureller Einsatz auch auf andere, nicht minder originelle Weise belegt: Sie betätigten sich als Minnesänger und Dichter, überliefert im berühmten Codex Manesse unter den Namen "Der Burggrave von Regensburg" und "Der Burggrave von Rietenburg". [47]
Eingespannt zwischen anderen großen Entwicklungsprojekten der Zeit - Ausbau der Klöster, Burgen und Städte - steht die Errichtung der obergeschossigen Landkirchen sozusagen als eigenständiges Glied dazwischen, ausschließlich und vornehmlich der Erschließung des ländlichen Raumes dienend. Was noch bis zum 11. Jh. ungerodetes Waldland und Wildnis war, sollte nun im 12. Jh. umgewandelt werden in blühende Landsitze und volkreiche Pfarrgemeinden, mit fruchtbaren Feldern und Äckern, mit Wegen und Straßen, mit Handel und Verkehr. Als Reichskirchen der besonderen Art, die verschiedenen Komponenten unter einem Dach vereinten, nahmen die Kirchen so ihren Anteil an der staufischen Reichsidee.
Bei ihrer Errichtung, die von einer äußerster Ökonomie der Mittel - zwei Funktionen unter einem Dach - geprägt war, waren neben den seelsorgerischen auch sicherheitstechnische Aspekte ausschlaggebend: Es waren in erster Linie die neu installierten Ministerialen [48] und die ihnen beigesellten Ortsgeistlichen mit ihren Familien, die in den Kirchen Trost und Schutz zugleich finden sollten. Die Oberräume fungierten dabei als geeignete Rückzugsräume in unsicheren Zeiten.
Davon unabhängig repräsentierten die hohen Steinbauten neben dem geistlichen auch den weltlichen Herrschaftsanspruch, den Status und Nimbus der übergeordneten Landesherren, der Burggrafen von Regensburg und Landgrafen von Stefling, und letztlich auch des Kaisers selbst.
Dabei waren die Kirchengebäude von Anfang an so platziert und eingerichtet, dass mit alsbaldiger Ansiedlung von weiteren Hofstellen und Entwicklung von Dörfern zu rechnen war. Wegen ihrer Lage an Reiserouten winkten den Priestern ausreichende Einnahmen von Landfahrern und Pilgern. Die Ministerialen der niederen Ränge konnten, von den Burggrafen frisch installiert, die Kirchen als vorläufige Wohnstätten und Zentren ihres künftigen Herrensitzes verwenden. Ob die Kirchen mit ihren Profanräumen daneben weiteren Zwecken dienten, als Stützpunkte der Ritterorden oder als Asylorte, mag dahingestellt bleiben.
In der Regel war es den ansässigen Rittern und Landedelleuten möglich, alsbald größere Herrenhäuser an den Kirchen zu errichten oder die Kirchen in Burganlagen zu integrieren. Vereinzelt entwickelten sich, wie dokumentarisch belegt ist, daraus sogar Hofmarken mit niederer Gerichtsbarkeit. Ein anderer Teil der Kirchen nahm an dieser gewünschten Entwicklung aus unerfindlichen Gründen nicht teil. Eine Dorfgemeinschaft kam nicht in Entwicklung, die Edelsitze und Burgen wurden zerstört oder zerfielen, nur die Kirchengebäude blieben stehen und überdauerten die Jahrhunderte. So trifft man heute nicht selten auf jene Exemplare, bei denen die aufwändige Konstruktionsart und wuchtige Monumentalität in krassem Gegensatz zum flachen Land der Umgebung stehen.
In ihrer eigenartigen Kombination von Sakral- und Profanraum, ganz im Sinne der Romanik noch als getrennte Raumkörper aufgefasst, aber konstruktiv bereits miteinander verbunden, stellen die Kirchen letztlich auch den Stein gewordenen Lösungsansatz für das drängendste Problem ihrer Zeit dar, des zur permanenten Zerreißprobe gewordenen Zwistes zwischen kirchlicher Allmacht und staufischem Imperialismus: die notwendige Versöhnung von Papst und Kaiser. In ihrer eigenartigen geographischen Verteilung, bei der nur vereinzelt die Grenzen der Burggrafschaft und des Bistums Regensburg überschritten werden, symbolisieren sie auch die Zeit staufischen und welfischen Gegensatzes und signalisieren mit dem völligen Sistieren ihres Baus ab 1200 obendrein das Ende einer ganzen Epoche, resp. das Aufkommen der Wittelsbacher in Altbayern, in deren Gut sie als Erbe der Pabonen fallen.
Ohne an anderen Orten und zu anderen Zeiten jemals kopiert worden zu sein, sind in diesen Kirchen die weltliche und geistliche Macht des 12. Jhs., die in der Realität vielfach geteilt und zersplittert war, auf das Originellste vereint.
Deshalb - und wegen der Reinheit der architektonischen Substanz - zählen einige Vertreter der romanischen Landkirchen mit profanem Obergeschoss in die oberste Kategorie romanischer Architektur.
[Bearbeiten] Ausblick
Dass von der geschilderten Art romanischen Landkirchenbaus in späterer Zeit andere Kirchentypen inspiriert wurden, ist unwahrscheinlich. Allerdings errichtete vom 13. Jh. an der Johanniterorden vereinzelt zwei- bis mehrgeschossige Hospitalkirchen, nunmehr zum ausschließlichen Zweck der Kranken- und Pilgerversorgung. Dies geschah unter ganz anderen Formen und an ganz anderen Orten:
- Eines der frühesten Beispiele derartiger Hospitalarchitektur findet sich in Taufers im Münstertal in Südtirol. Der dortigen romanischen Kirche aus dem 13. Jh. ist ein langer Westbau vorgelagert, der neben einer Freiterrasse auch ein profanes Obergeschoss zur Pilger- und Krankenversorgung trug. Das Hospiz wurde wie auch andere Einrichtungen in Südtirol, z. B. in St. Medardus bei Tarsch oder in St. Florian bei Egna/Neumarkt (ohne Obergeschoss), vom Johanniterorden unterhalten.
- Die Johanniterkommende in Neckarelz, auch Tempelhaus genannt, wurde von Komtur Konrad von Wölchingen aus einem Herrensitz heraus in eine gotische Hospitalkirche mit vier Geschossen umgewandelt. Dazu zählte ein Obergeschoss, in dem Pilger und Kranke betreut wurden.
- Die Johanniterkirche in Niederweisel bei Butzbach in Hessen trägt ebenfalls den Namen Tempelhaus, obwohl sich wie in Neckarelz kein Nachweis dafür findet, dass die Kommende einst dem Templerorden gehörte. Der Sakralbau wurde Ende des 12. Jahrhunderts begonnen, das Obergeschoss für die Hospitalpflege aber erst um 1550 vollendet.
[Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Zum Bestand
- G. Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern V, Regensburg und die Oberpfalz, Bayern II, Niederbayern, Bayern IV, München und Oberbayern, Bayern I, Franken, Berlin 1999-2008.
- Denkmäler in Bayern. Band III, Oberpfalz, Band II, Niederbayern, München 1986.
- F. H. Hofmann, F. Mader u. a.: Die Kunstdenkmäler von Bayern, Oberbayern, Band I (1895), II (1902), III (1905), Niederbayern, Bd. VII (Kelheim, 1922), XII (Straubing, 1925), XVII (Deggendorf, 1927), XVIII (Mainburg, 1928), XXII (Rottenburg, 1930), Oberpfalz I (Roding 1905), IV (Parsberg 1906), VII (Oberviechtach 1906), VIII (Vohenstrauss 1907), IX (Neustadt/WN, 1907), X (Kemnath, 1907), XIII (Beilngries II, 1908), XIV (Tirschenreuth 1908), XV (Amberg, 1908), XIX (Sulzbach 1910), XX (Stadtamhof, 1914), XXI (Regensburg 1910), XXII (Regensburg 1933), München.
[Bearbeiten] Zu den Kirchen mit profanen Obergeschossen
- R. Bauerreis: Kirchengeschichte Bayerns, Bd. 3, das 12. Jahrhundert, St. Ottilien 1952.
- C. Frank: Pilgerherbergen des 12. und 13. Jhd, in Deutsche Gaue 29, 1928, S. 177-184.
- E. Grunsky: Doppelgeschossige Johanniterkirchen und verwandte Bauten: Studien zur Typengeschichte mittelalterlicher Hospitalarchitektur, Dissertation, Tübingen 1969.
- W. Haas: Kirchenbau im Herzogtum Bayern zwischen 1180 und 1255, in: Wittelsbach und Bayern, hg. v. Glaser, Hubert, 1980.
- R. Jakob: Zur Problematik mittelalterlicher Asylkapellen (Replik auf A. Trapp), in Oberpfälzer Heimat, Bd. 26, 1982.
- K. Kafka: Kirchen mit wehrhaften Obergeschossen, in: Deutsche Gaue 40, 1939, S. 9-13.
- K. Kafka: Die Pilgerherberge in Alt-Weitra, in: Deutsche Gaue 42, 1950.
- K. Kafka: Wehrkirche und Pilgerherberge (Michelstetten), in: Unsere heimat (Mitteilungsblatt d. Vereins für Landeskunde von Niederösterreich und Wien), 25, 1954, S. 141-152.
- F. Mader: Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, II. 10, 1907, S. 15ff.
- A. Trapp: Romanische Kapellen mit profanem Obergeschoss in Oberpfalz und Niederbayern. Dissertation, Erlangen 1953.
- M. Weikmann: Mehrgeschossige Kirchen; in Deutsche Gaue 48, 1956, S. 45ff.
- M. Weikmann: Mehrgeschossige Kirchen, Zu den Pilgerherbergen in Michelstetten und Alt-Weitra, in: Deutsche Gaue 49, 1957, S. 68-74.
[Bearbeiten] Über die Burggrafen von Regensburg
- M. Mayer: Geschichte der Burggrafen von Regensburg, Inaugrualdissertation von 1883.
- M. Mayer: Regesten zur Geschichte der Burggrafen von Regensburg, Verhandlungen des Histoirschen Vereins für die Oberpfalz und Regensburg, Bd. 43, 1889.
- H. Schneider: Grafschaft und Landgericht auf dem Nordgau, in: Forschungen zur bayerischen Geschichte. Festschrift für Wilhelm Volkert, Frankfurt 1993, S. 15?38.
- F. Wabra: Die Bedeutung der Budapester Fragmente für das Werk der Burggrafen von Regensburg und Riedenburg, Seminararbeit, Regensburg 2006.
[Bearbeiten] Weblinks
- Romanische Kirche in Aicholding (online)
- St. Ulrich in Wilchenreuth - Lufaufnahmen (online)
- Burg Hof am Regen (online)
- Kirche in Michelstetten (online]
- St. Ägidius Türkenfeld (online)
- Kirche von Altweitra in Niederösterreich (online)
- St. Katharina in Rannertshofen (online)
- Pfarrkirche St. Oswald in Niederösterreich(online)
- "Burgkapelle" Breitenstein (online) und (online2)
- Mariä Himmelfahrt in Oberndorf an der Donau (online)
- "Burgkapelle" Dobl (online)
- Heilige Drei Könige und St. Matthäus in Friedersried (online)
- St. Johann Baptist in Piesenkofen (online)
- St Nikolaus in Emmereis (online)
- St. Michael in Schönkirch (online)
- St. Nikolaus in Ossenzhausen (online)
- St. Nikolaus in Bernstein (online)
- St. Jakobus in Urschalling (online)
- St. Oswald in Hepberg (online)
- St. Nikolaus in Haugenried (online)
- Unsere Liebe Frau in Oberammerthal (online)
- St Ulirch in Ainau (online)
- St. Leonhard in Allersburg (online)
- Pabonen - Übersicht (online)
- Pabonen - Familienmitglieder (online)
- Die Pabonen in Riedenburg (online)
- Kirchengründungsurkunde der Pabonen on St. Oswald (online)
- Johanniterhaus Neckarelz (online)
- Burgendatenbank des Europäischen Burgeninstitutes: Stichworte Schönfeld, Kalsing, Obertrübenbach (online)
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ? Besonders deutlich an der Kirche St. Ägidius in Schönfeld. Die mörtellose Reibungsmauerei stammte aus der Zeit der Römer, sie wurde schon von dem Zeitgenossen Bischof Otto von Freising ausdrücklich bewundert: "...da stand ein sehr fester turmartiger Bau, aus Quadersteinen in gediegener Arbeit zusammengefügt. Staunenswert aber war die Größe der Steine. Denn er bestand nicht aus gewöhnlichen Felsblöcken oder solchen, die Menschen tragen konnten. Er war vielmehr von Künstlerhänden so gestaltet, dass er, auf vier Pfeilern ruhend, einem römischen Bauwerk ähnelnd, kaum oder nie eine Fuge aufwies..." Siehe Otto von Freising: Gesta Friderici, z. B. Edition F.-J. Schmale, Darmstadt 1974, S. 487f.
- ? Ausnahme: St. Georg in Neukirchen bei Train.
- ? z. B. in Breitenstein, Dobl, Gasseltshausen.
- ? z. B. in St. Georg in Neukirchen.
- ? z. B. in Bernstein, hier Westwerk mit nachträglich aufgesetztem Turm, in Rinkam und Urschalling mit einem Westturm.
- ? Errichtung von St. Jakob in Schondorf 1150, Weihe von St. Oswald in Niederösterreich im Jahr 1160; siehe unten.
- ? z. B. Piesenkofen, Türkenfeld.
- ? z. B. Schönfeld, Aicholding, Wilchenreuth.
- ? z. B. Rannertshofen, Obertrübenbach, Rinkam, Hof bei Oberviechtach, Haugenried.
- ? z. B. Breitenstein, Tiefenthal.
- ? z. B. Schönkirch, Türkenfeld, Ainau.
- ? z. B. Schönfeld, Piesenkofen, Gasseltshausen.
- ? So haben z. B. die bei Schönfeld gelegene Burg Siegenstein oder die bei Türkenfeld gelegene Burg Altenburg eigene Burgkapellen.
- ? Dass die Integration nicht zum Erbauungszeitpunkt geschah, erkennt man an Mauernähten oder nachträglichen Bodenabsenkungen, zur Bildung eines Burghofes, weshalb die Eingänge der Kapellen mit einer Freitreppe ergänzt werden mussten.
- ? Hadmar gehörte wie sein Vater zur engsten Umgebung der Babenberger-Herzöge und wurde als Geiselnehmer König Richards Löwenherz auf Burg Dürnstein bekannt. Aufgrund seiner Nähe zu den Babenbergern dürfte er auch mit den Burggrafen von Regensburg bestens bekannt gewesen sein, denen man die Initiiierung der hier besprochenen Kirchen zuschreiben kann (zur Begründung siehe weiter unten)
- ? Entstehungsgeschichtlich ist der Erbauer der Kirche erwähnenswert, da durch diese Person die Burggrafen von Regensburg als Initiatoren des hier besprochenen Kirchentypus wahrscheinlich gemacht werden können: Graf Friedrich von Hohenburg war ein Sohn des Ernst von Hohenburg und mit einer Tochter Burggrafs Heinrichs III. von Regensburg aus zweiter Ehe verheiratet. Seine Mutter war Adelheid, die Tochter des Domvogts Friedrich von Regensburg. Siehe hierzu weiter unten.
- ? Das schönste Beispiel hierfür ist die Kirche in Schönfeld, die in einsamer Lage erbaut ist, aber deren Granitquader von den Steinmetzen einer Bauhütte allseitig so eben zubehauen wurden, dass zwischen den Blöcken nur geringste Lagen von Kalkmörtel nötig waren, um einen festen Mauerverbund zu erreichen. Zur Erinnerung: Für den laufenden Unterhalt eines Steinmetzen und seiner ca. 5 Hilfsarbeiter war nach Analysen B. Bachrachs mindestens die Produktionskraft von ca. 25 in der Landwirtschaft arbeitenden Personen notwendig, um das erforderliche tägliche Kalorienäquivalent zu gewährleisten. Siehe B. Bachrach: The Cost of Castle Building, The case of the tower at Langeais, in: The Medieval castle, Romance and reality, Dubuque, Iowa 1984.
- ? Die Urkunde wurde am 22.September 1160 von Bischof Konrad von Passau ratifiziert und ist bei Ried, Regesten der Bischöfe von Regensburg, unter der laufenden Nummer 252 abgedruckt.
- ? Dass die Bauart dieser Kirchen im Einzelfall über das pabonische Einflussgebiet hinausgestrahlt hat, widerspricht dem nicht. Für die Kirchen im Voralpenland konnte z. B. der Einfluss der Pabonen nicht gesichert werden, wenngleich sie auch in diesen Gegenden über Eigenbesitz und Lehen verfügten, z. B. in Kufstein und bei Füssen.
- ? Paponen oder Babonen, so benannt nach dem Stammvater Pabo I., Graf im Donaugau, vermutlich in genealogischem Zusammenhang mit dem Geschlecht der Babenberger stehend. Siehe hierzu M. Mayer: Geschichte der Burggrafen von Regensburg, und Regesten, beides a.a.O.
- ? Siehe M. Mayer, a.a.O.
- ? Die Kapelle von Breitenstein bei Königsstein (Name!) war, eher sie zur Burg erweitert wurde, wohl ebenso staufisches Reichslehen wie z. B. die Kirchen in Wilchenreuth oder Schönkirch.
- ? Burggraf Heinrich III. hatte z. B. durch Ehelichung Berthas, der Tochter Markgraf Luitpolds III. von Babenberg, weitläufige Allodien im heutigen Niederösterreich hinzuerworben. Bei einer weiteren Kirche, St. Veit in Michelstetten, ist konkret nachzuweisen, dass der Gründer, Graf Friedrich von Hohenburg, sich mit einer Tochter Burggrafs Heinrichs III. von Regensburg aus zweiter Ehe verheiratet hatte!
- ? Trotz fehlender Urkunden drängt sich der Zusammenhang zwischen den Kirchen und den Pabonen vielerorts auf: So liegt um die Burg von Rotteneck, einer Seitenlinie der Abensberger Babonen gehörig und heute abgegangen, geradezu clusterartig ein Ring von Obergeschosskirchen. Ähnliches gilt für den bayerischen Vorwald, in der Nähe des Pabonen-Stammsitzes Stefling. Die Kirche von Haugenried liegt wiederum unmittelbar neben dem Stammsitz der Rammelsteiner, Sitz von Ministerialen der Burggrafen von Regensburg.
- ? Die Jakobskirche in Schondorf soll von einem Dießener Ministerialen der Grafen von Andechs im Jahr 1150 erbaut worden sein.
- ? Über 90 Prozent der Kirchen findet sich innerhalb der Bistumsgrenzen von Regensburg, welches nach Norden bis ins Egerland und nach Süden bis fast nach Freising reichte. Dennoch können die Kirchen nicht als bischöfliche Gründungen angesehen werden, z. B. wegen der fehlenden Beteiligung der Grafschaft Bogen. Zur Erinnerung: Die Grafen von Bogen fungierten im 12. Jh. mit kurzer Unterbrechung als Domvögte.
- ? Inwiefern die Kirchenbauten zur Etablierung neuer Ministerialenfamilien dienten, wird unten ausgeführt werden.
- ? Erstere mit Sitz in Regensburg und Riedenburg, letztere mit Sitz in Stefling am Regen.
- ? z. B. Dehio's "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler" oder "Die Kunstdenkmäler von Bayern".
- ? So z. B. in Schönkirch, Aicholding, Hepberg, Katzberg.
- ? z. B. in Hof am Regen, in Gasseltshausen, in Piesenkofen.
- ? Steinerne Konsolen oder Tragsteine finden sich nur im Fall der Kirche von Michelstetten. Balkenlöcher erkennt man ebenfalls nur in Einzelfällen, z. B. am äußeren Obereingang der Kirche in Aicholding. Der dortige Landsassensitz ist in seiner heutigen Bausubstanz weitaus jüngeren Datums (aus dem 17. Jdh.) und kann als Bezugsbau nicht herhalten. In Hof am Regen wurde eine derartige Kapelle zur Burganlage erweitert, mit zwei später aufgesetzten Obergeschossen, die als Wohnraum dienten. Hier scheint, wie aufgrund der Balkenlöcher erschlossen werden kann, eine hölzerne Balustrade zum Betreten der Empore von außen nachträglich eingebaut worden zu sein. Dasselbe gilt für die Kirche in Katzberg, deren Brücke auf der Darstellung von Wening aus dem 18. Jh. erkennbar ist.
- ? Siehe z. B. die Kirchen in Schönfeld, Piesenkofen und Gasseltshausen, deren Größe und Ausführung in krassem Gegensatz zu den umliegenden Bauernhöfen steht.
- ? Vor allem vorgebracht in den älteren Arbeiten von C. Frank und R. Bauerreiss, a.a.O.
- ? Siehe A. Trapp, a.a.O.
- ? Mehrere Mitglieder der Familie unternahmen selbst Pilgerreisen ins Heilige Land, z. T. unter erheblichen Gefährdungen: Bischof Otto von Regensburg, der Enkel des ersten Pabo, im Jahr 1064, und Burggraf Heinrich III. im Jahr 1167. Ein Vertreter des Hauses, Burggraf Heinrich II., kehrte nach einem Kreuzzug im Jahr 1101 von dort nicht zurück.
- ? Selten, wie z. B. in Schönfeld, ist auf der Westempore eine Sakramentsnische eingebracht, die jedoch eher den Privatgottesdiensten der Edelleute diente.
- ? So z. B. bei den Kirchen von Bernstein, Rinkam und Neukirchen bei Train.
- ? Letzteres führt den Asylgedanken völlig ad absurdum, da ja kein potenter Verfolger im Lande zu definieren wäre, auch waren es nicht die angestellten Ortspriester sondern die Ministerialen der Burggrafen, die die postulierten Asylräume erbauten.
- ? z. B. in Hof am Regen, Schönkirch, Gasseltshausen, Piesenkofen.
- ? St. Ägidius in Schönfeld.
- ? Oft an einer Talflanke oder am Talgrund gelegen, so dass die Anwesen von oben beschossen werden konnten, was besonders die Obergeschosse mit ihren hölzernen Dachstühlen gefährdete.
- ? Die romanischen Schlitzfenster dürfen keinesfalls mit Schießscharten verwechselt werden. Schießscharten kamen nach O. Piper als Verteidigungseinrichtung erst nach Erfindung der Armbrust in Mode und waren dann in der Regel als lange Mauerschlitze ausgeführt und mit einem bei den Fenstern nicht nachweisbaren Quergang versehen. Siehe O. Piper: Burgenkunde, Bauwesen und Geschichte, Sonderausgabe 2007.
- ? Ersteren stifteten die Burggrafen von Regensburg die Komturei von Altmühlmünster und mit letzteren schlossen sie nachweislich mehrere Kontrakte bzw. fungierten bei solchen als Zeugen. Siehe M. Mayer, Regesten, a.a.O.
- ? Der Zweite Kreuzzug 1147 - 1149 unter König Konrad III. und der Dritte Kreuzzug 1189 - 1190 unter Kaiser Friedrich Barbarossa.
- ? Die Johanniter waren Rechtsnachfolgers der Templer nach 1312 und gerade im Altmühltal bei Riedenburg, wo sich allein 5 der genannten Kirchen finden, sehr aktiv, allerdings mehr zu einer Zeit, die aus dem Erbauungszeitraum der Kirchen herausfällt.
- ? Der berühmte Codex Manesse und die Weingartner Liederhandschrift enthalten Minnelieder "des Burggrave von Regensburg" und des "Burggrave von Rietenburg", nach neuerer Forschung vermutlich aus einer Hand stammend. Als Verfasser kommen in Frage: Heinrich III., sein Sohn Friedrich oder dessen jüngeren Brüder Heinrich IV. oder Otto III. Siehe hierzu M. Mayer, a.a.O. und F. Wabra: Die Bedeutung der Budapester Fragmente für das Werk der Burggrafen von Regensburg und Riedenburg, Regensburg 2006.
- ? Kaiser Friedrich Barbarossa nannte diese Leute in seiner Novelle der konradinschen Lehensgesetze "rectores" und unterzog sie strengen Auflagen bezüglich Lehenstreue und Friedenssicherungspflicht: "Alle Untertanen unseres Reichs sollen untereinander echten und dauernden Frieden halten, und dieses Bündnis soll unverletzlich unter allen fortan gewahrt werden. Die Herzöge, Markgrafen, Grafen, Kapitäne, Valvassoren und die Rektoren aller Orte nebst den Männern hohen wie niedrigen Standes in allen Orten vom 18. bis zum 70. Jahre sollen sich eidlich verpflichten, den Frieden zu halten und die Rektoren der Orte beim Schutz und bei der Aufrechterhaltung des Friedens zu unterstützen; und alle fünf Jahre sollen diese Eide betreffs der Wahrung des vorgenannten Friedens erneuert werden..." Siehe Otto von Freising: Gesta Friderici, Edition F.-J. Schmale, Darmstadt 1974, S. 525ff.
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