Als Schwabinger Krawalle werden die Unruhen bezeichnet, die im Juni 1962 im Münchener Stadtteil Schwabing stattfanden.
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Weil eine Gruppe von jugendlichen Straßenmusikanten am 21. Juni 1962 noch nach 22.30 Uhr spielte, rief ein Stadtrat und Anwohner der Leopoldstraße nach einem erfolglosen Versuch, selbst für Ruhe zu sorgen, die Polizei. Bei dem Versuch der Polizei, die Gruppe aufzulösen und die fünf Musiker vorläufig festzunehmen, kam es zu Rangeleien mit Jugendlichen und die Situation eskalierte. In der Nacht und an den folgenden vier Tagen kam es in der gesamten Umgebung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) zu Straßenschlachten zwischen bis zu 40.000 vor allem jugendlichen Protestteilnehmern und zum Teil berittenen Polizisten.[1] Zu den letzten Abenden kamen auch Personen aus anderen Städten angereist. Bei diesen Zusammenstößen wurden etwa 200 Protestteilnehmer und Schaulustige mit Schlagstock-Schlägen traktiert, und es entstand ein hoher Sachschaden. Insgesamt wurden etwa 200 Personen festgenommen, einige wurden später zu Gefängnisstrafen verurteilt.
Zwischen der Militanz auf Seiten mancher Protestierer und dem massiven Schlagstockgebrauch der Polizei bestand eine gewisse Wechselwirkung, so dass die öffentliche Kritik an den Methoden der Polizei immer lauter wurde. Nach den Unruhen erarbeitete die Münchener Polizei unter der Federführung von Manfred Schreiber ein Konzept, das erstmals in Deutschland auf Ansätze zur Deeskalation setzte, um zukünftige Ereignisse dieser Art zu vermeiden ("Münchner Linie"). Im Zuge der Polizeireformen wurde in München nun ein Polizeipsychologe eingesetzt, zugleich aber auch die Mittel der Strafverfolgung durch den Einsatz von Filmteams perfektioniert. [2] Einer der Teilnehmer war der damals noch eher unpolitische spätere RAF-Terrorist Andreas Baader [3]. Die Bedeutung der "Schwabinger Krawalle" für die politische Entwicklung Baaders wurde vielfach diskutiert. Baaders Mutter selbst berichtet, dass Andreas Baader unter dem Eindruck der "Krawalle" gesagt habe: "In einem Staat, wo die Polizei mit Gummiknüppeln gegen singende junge Leute vorgeht, da ist etwas nicht in Ordnung." Auch der Publizist Butz Peters ist sich sicher, dass die Ereignisse des Münchner Stadtsommers 1962 "ein Schockerlebnis für den Neunzehnjährigen" waren.
Die "Schwabinger Krawalle" gehören nach Ansicht des Historikers Detlef Siegfried (Universität Kopenhagen) "zu den herausragenden immateriellen Erinnerungsorten der Bundesrepublik - ein mythisches Ereignis, das das Ende der Adenauer-Ära und die Liberalisierung der Bundesrepublik anzuzeigen scheint."[4]
Der ideologische Ort der Schwabinger Krawalle zwischen den sogenannten Halbstarkenkrawallen der späten 1950er Jahre und den Studentenunruhen der 68er-Bewegung war lange unklar und ist bis heute Gegenstand der Diskussion. An den Protesten hatten sich Hochschüler, aber auch Lehrlinge und junge Arbeiter beteiligt. Konkrete politische Forderungen wurden zunächst nicht erhoben; im Mittelpunkt stand der Anspruch auf kulturelle Selbstbestimmung. Der Historiker Stefan Hemler spricht so von einem "generationell-jugendkulturellen Konfliktsignal", das im nur in einem abstrakten Sinne als "einer der Vorboten von '1968'" bezeichnet werden könne [5].